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Die Fiskalpakete der Tigerenten



Der Trend zur Bananenrepublik hält an, auch 20 Jahre nach der Wende. Jetzt wurde in der Berliner Republik sogar die Voodoo-Ökonomie eingeführt. Das Geld wird abgeschafft, bezahlt wird ab sofort nur noch mit den Fiskalpaketen der Tigerenten und darin sind „Mut, Hoffnung und Vertrauen“.

Die Rechnung ist ganz einfach, wenn 100 000 Arbeitslose einen Job finden, dann entlastet das den Haushalt um 2 Milliarden Euro, da fast 9 Millionen Bundesbürger eine adäquate Beschäftigung suchen, könnte der Haushalt glatt um 180 Milliarden entlastet werden und auf diese 180 Milliarden da hat die Kanzlerin schon mal einen kleinen Vorschuss von 40 Milliarden genommen. Genial!

Dass findet auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Hans Peter Keitel und der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann und der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft Mario Ohoven und die Lobbyverbände der Pharmaindustrie, der Apotheker, der Ärzte, der privaten Krankenversicherung und des Hotel und Gaststättenverbandes und der Energiewirtschaft, und der Atomindustrie.

Diese Bewunderung für die wirtschaftliche Kompetenz der Kanzlerin, für ihren Respekt vor der heilenden Hand des Marktes und die, diese Anerkennung begleitende mediale Einläutung der Renaissance der ökonomischen Glaubens-Folklore, die gab es dann allerdings von den Präsidenten der Verbände für die Tigerenten-Koalition nur gegen Bares, cash war angesagt. „Cui bono“, folge der Spur des Geldes, aber das wissen Krimi Fans nicht erst seit Raymond Chandlers melancholischen Privatdetektiv Philip Marlowe.

Die andere Währung dagegen, die aus „Mut, Vertrauen und Zukunft“, die ist mehr für Otto Normalbürger gedacht. Davon darf denn auch der Finanzminister reichlich unter der Bevölkerung austeilen, verwaltet er doch sogar das Vertrauen der Kanzlerin, so wie er schon einmal das Vertrauen vom Kanzler der Einheit, unseren Helmut Kohl, verwaltet hat.

Während sich die Edelfedern der Berliner Büros dezent auf der Bundespressekonferenz zurückhielten, war es der niederländische Journalist Rob Savelberg, der mit einer ebenso nahe liegenden, wie simplen Frage, dafür sorgte, das die Kanzlerin „ziemlich alt aussah“ und sich in der „Reichstager Puppenkiste“ die Schnüre verhedderten und die Marionetten zusammen zuckten und entsetzt die Augen schlossen. 1:0 für Holland, titelte Bröckers in seinem writersblog bei 2001.

Aber solange Mutti Vertrauen hat, da gründelt die Tiger-Enten Koalition weiter im Lobbyisten-Sumpf und darum stellt sich ihnen erst gar nicht die Frage, wie jemand, der eben mal 100.000 Mark Parteispenden "vergisst" noch ein vertrauenswürdiger Finanzminister werden kann, der jetzt 40 Milliarden auf Kredit unter das Volk bringen soll.

Nun kann ich mir allerdings überhaupt nicht erklären, wieso ausgerechnet die Kommentatoren von der Financial Times Deutschland an dem Fiskal-Paket rummäkeln und von Zocker Koalition schreiben, und unsere Kanzlerin als Hütchenspielerin verunglimpfen, wo es doch um wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit geht. Das erkannte dieser Tage selbst der Stern an, als er titelt: „Arm wird ärmer“ denn Leistung muss sich wieder lohnen.

"Wir haben ein Herz für die kleinen Leute", denn mehr Netto vom Brutto für alle - das ist das heilige Versprechen der Tigerenten, stimmt, das Herz läuft über für die kleinen Leute und schwemmt dann die Kohle in die Taschen der großen Leute.

„Kleiner Mann und großer Mann standen da und sahen sich an, da sagt der kleine Mann ganz bleich, weil ich arm bin, bist du reich,“ wieder so ein Spruch von Brecht.

Dabei profitieren von der Erhöhung des Kindesgeldes um 20 Euro alle gleichermaßen, die früh aufstehenden Leistungsträger genauso wie die etwas länger schlafenden Geringverdiener. Und damit die auf Dauer-Siesta, die in der sozialen Hängematte dahin schlummernden Hartz-IV Empfänger, dieses Kindergeld nicht als Aufforderung verstehen, die leistungs- und kulturfernen Schichten noch weiter anwachsen zu lassen, deshalb haben die Tigerenten ihr christliches soziales Herz befragt und beschlossen, das bei denen das Kindergeld vorsichtshalber gleich auf die Hartz-IV-Sätze und andere Sozialleistungen angerechnet wird. Also die bekommen von den 40 Milliarden erst mal nichts.

Die über elf Prozent der Arbeitnehmer in einem normalen Arbeitsverhältnis, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schon vor der Krise nur einen Niedriglohn bekamen, so als etwas länger Schläfer und Niedrigleistungsträger verdienen die nur zwei Drittel des Durchschnittseinkommens, über die Berliner Situation gibt es dazu 2 Meldungen unter NEWS, die bekommen natürlich auch nichts von den 40 Milliarden ab.

Die sollen nun sogar noch drauf zahlen, aber das ist ganz im Sinne der früh aufstehenden Leistungsträger. Durch die Abgabenerhöhungen für die Sozialleistungen steigen bei den Beschäftigten mit niedrigem Einkommen, diese stärker an, als sie durch Steuern entlastet werden.

Warum lassen sich diese Leute auch nicht im Jobcenter auf Leistungsträger umschulen, kann doch nun wirklich nicht so schwer sein sich einen feudalen Familien-Hintergrund zu zulegen, etwas Pomade ins Haar zu streichen und süffisant zu grinsen. Den Blaumann dann noch schnell gegen einen Brioni umzutauschen, gibt es auch von der Stange, zum Schnäppchenpreis von nur 3000,-€ und schon klappt es mit dem Sitz im Aufsichtsrat und man ist auch früh aufstehender Leistungsträger und hat mehr Netto vom Brutto.

Die Bewunderung der Präsidenten der Wirtschaftsverbände für die wirtschaftliche Kompetenz der Kanzlerin, die ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Tigerenten den Arbeitgeberanteil bei sieben Prozent des Bruttoeinkommens einzufrieren gedenken. „Cui bono“, folge der Spur des Geldes!

Denn durch diese Kostendeckelung für die Arbeitgeber, da werden Arbeitnehmer in Zukunft kräftig draufzahlen müssen, da sie dann nur noch alleine belastet werden und nicht auch noch ihre Arbeitgeber, dadurch werden ihre Prämien für sie aber nur um läppische acht bis zehn Prozent steigen, schätzt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen, da schon heute ab zu sehen ist, das in den nächsten Jahren die Ausgaben der Krankenkassen um vier oder sogar fünf Prozent pro Jahr steigen werden, darüber freut sich dann wieder die Pharmaindustrie, die Apothekergilde und die Ärztezunft. Aber die Arbeitnehmer, so als Gruppe, die sehen natürlich nichts von den 40 Milliarden, die zahlen drauf.

Doch das „Herz für die kleinen Leute“ schlägt munter weiter, ein echter Hit, der große Herzschrittmacher der Tigerenten Koalition, das ist die Erhöhung des Schonvermögens für Hartz-IV-Empfänger. Die kriegen auch nichts, nur dass, was sie sich mühsam in ihrem Arbeitsleben angespart haben, dass wird Ihnen nicht auch noch weg genommen. Versprochen.

Lohnt den Aufwand nicht, denn dafür, dass 99,8 % dieser kleinen Leute es versäumt haben, sich überhaupt erst ein entsprechendes Vermögen aufzubauen, das ihnen jetzt nicht weg genommen wird, also dafür kann man der Kanzlerin nicht auch noch die Schuld geben. Doch für diese 0,2 Prozent der Hartz-IV Empfänger, da schlägt das Herz von Mama Nationale und ihrer Tigerenten-Koalition aufrichtig, zu mindestens so lange, bis der Guido als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied diverser Kapitalversicherungsgesellschaften denen einen todsicheren Anlagetipp verkauft und das entlastet danach dann wieder die Rentenkassen.

Selbst die Linke sieht jetzt den Konjunkturellen Aufschwung am Horizont aufleuchten, die Nachfrage bei den bundesrepublikanischen Suppenküchen und Tafeln befindet sich weiter im Aufwind, aber die kriegen auch nichts von den 40 Milliarden, die leben von Spenden und bezahlen dafür mit dem schönen Gefühl der Nächstenliebe und dem guten Gewissen für die Gebenden.

Erinnern sie sich noch an das Mitglied des Wohlfahrtausschusses Louis Antoine-Leon de Saint-Just? Das war der mit dem Spruch „Das alltägliche Brot, ist das Recht des Volkes,“ so etwas bezeichnet man heute als soziale Gerechtigkeit, Brot fürs Volk und die Wurst bleibt beim Geld-Adel.

Der hat auf seinem Weg zur Guillotine bis kurz vor Schluss noch Seneca gelesen und dann das Buch mit Lesezeichen an seinen Scharfrichter weitergereicht. Der Mann war ein Optimist! Man waren das noch Zeiten, als das Versagen der Eliten mit der Guillotine gesühnt wurde, trauerte neulich selbst die Financial Times Deutschland. Aber mal ehrlich, können sie sich Steinmeier als Optimisten vorstellen? Den seinen Kopf hat nicht mal die eigene Partei gefordert, geschweige denn das Volk.

Und Steini dann statt mit Seneca, mit dem Ahlener Programm der CDU. „Denn nicht für das Volk regieren wir, sondern für die Lobbyisten“ oder „als Politiker macht man es allen recht, aber eben nicht billig!“ Nur damit sie den Unterschied in der Denke zwischen Seneca und dem CDU-Programm begreifen, denn wer seinen Volksvertretern Glauben schenkt, der ist ihn garantiert los und die 40 Milliarden aus dem Staatshaushalt dazu.