Liberallalas beim letzten Tango
Die Mündel hatten noch nie den Anspruch Vormund zu sein, wie das Beispiel Opel mal wieder eindrucksvoll belegt. Am Wesen und der Zufriedenheit der Büttel, Nutznießer und Profiteure, - also der Mündel der globalen ökonomischen Elite - da lässt sich auch der Zustand der herrschenden gesellschaftlichen bürgerlichen Klasse ablesen.
Zuerst führte der technische Fortschritt zum Machtverlust des Adel und das deutsche Bürgertum konnte sich dadurch, seit dem Ende der napoleonischen Kriege, konstant und ohne große Brüche entwickeln. Danach unterstützte es dann den Kolonialismus und Imperialismus des Kaiserreichs, sonnte sich im Größenwahn des preußischen Obrigkeitsstaates, zog freudig gegen den Erzfeind ins Feld, zeichnete Kriegsanleihen, lag von 1914 bis 1918 im Dreck, um dann anschließend innerhalb von 15 Jahren oft alles zu verlieren und dass durch eine Krise, die dieses Bürgertum so wenig verstanden hat, wie die meisten ihrer Vertreter die aktuelle Krise verstehen.
Heute führt der Fortschritt, den eine digitalisierte globale Wissensgesellschaft in sich trägt, zum Verlust von Bildungsprivilegien und zum Niedergang eines besser verdienenden Mittelstandes. ( Siehe unter NEWS: „Dumpinglöhne“) Die allgemeine Verunsicherung frisst sich damit auch in die höheren gesellschaftlichen Normallagen ein und ihre Bewohner müssen erkennen, dass die westlichen, postmodernen Gesellschaften, trotz aller demokratischer Verfasstheit, ihnen kaum Wahlmöglichkeiten bieten.
Solange die Prämissen der globalen Kapitalverwertung nicht in Frage gestellt werden, solange dieses Szenarium als gegeben vorausgesetzt wird, solange nur nach diesen Regeln gespielt werden darf, solange ist der unaufhaltsame Abstieg der bürgerlichen Mittelschichten vorprogrammiert.
Der ehemalige FAZ.blogger Thomas Strobl erinnert auf seiner weissgarnix-website daran, dass außer den Spitzen der Linkspartei und der feschen Sahra Wagenknecht sich in der Berliner Republik niemand traute die Forderung aufzustellen, die Banken zu verstaatlichen, um sie dadurch zu einer akzeptablen Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft zu zwingen. Dass sie damit auf der ökonomischen Linie des Nobelpreisträgers Joe Stiglitz liegen, der dieselbe Forderung erhoben hat, dass verschweigt unser Mainstream.
Zitat: “We have this very strange situation today in America where we have given banks hundreds of billions of dollars and the president has to beg the banks to lend and they refuse,” Stiglitz said. “What we did was the wrong thing. It has weakened the economy and has increased our deficit, making it more difficult for the future. If we had done the right thing, we would be able to have more influence over the banks.”
„Und der Stiglitz ist ja nun beim besten Willen kein Kommi“, schreibt Strobl in seinem Wirtschaftsblog um sich dann darüber zu wundern, dass sich ausgerechnet die Linke dazu aufschwingt, das letzte Bisschen “Soziale Marktwirtschaft”, das noch übrig ist, zu retten.
Vielleicht liegt es aber einfach daran, das diesen Bürgerlichen, die heute die Führungsspitze der Linken präsentieren, die frappierenden Ähnlichkeiten zu den Rettungsbemühungen für deutsche Banken, die den Staat 1932 fast selbst an den Rand des Zusammenbruchs brachten, aufgefallen sind.
„Während also das Lager der Liberallalas schräge Professoren ins Rennen schickt, die unter dem Slogan “Keynes 2.0“ fordern, dass den Banken über negative Zentralbankzinsen sogar noch mehr Geld nachgeschmissen wird, was natürlich sehr „marktwirtschaftlich“ ist, denn zuerst retten wir die Banken und ihre Shareholders mit Steuerzahlerknete, und dann bezahlen wir sie noch dafür, dass sie sich Geld bei der Zentralbank leihen“, da will ausgerechnet die Linke die bürgerliche Marktwirtschaft retten, wundert sich Thomas Strobl in seinem weissgarnix-blog.
Auch nachdem die Banken damals ihr Eigenkapital verzockt hatten, musste der Staat genau jene Millionen hineinpumpen, die er vorher durch harte Schnitte bei sozial Bedürftigen und durch tatenloses Zusehen bei Firmenzusammenbrüchen gespart hatte. „Wer heute Brüning'sche Notverordnungen sehen will, mit unbezahltem Zwangsurlaub für Staatsdiener und de facto Staatspleite, wird im Kalifornien unter Herrn Schwarzenegger fündig, ebenso bei Obdachlosen und Suppenküchen“, warnt heute selbst die „Stütze der Gesellschaft“, die Kunstfigur Don Alphonso, in der FAZ.
Und rechtsextreme Bürgerwehren in staatlicher Legitimation und in braunen Uniformen, die wieder Jagd auf Ausländer machen und denen jetzt die Schuld an der Krise anhängen, dieser Flair der 30er Jahre, der ist bereits wieder bei Berlusconi zugelassen.
Die Herstellung von Realitäten erfolgt in den ewigen Wiederholungsschleifen des Mainstreams. Diese Realitäts-Relationen dienen der Ausübung von Macht, ökonomischer und damit politischer Macht. Es ist nicht die Realität, die unser Leben regiert, sondern es ist unsere Wahrnehmung dieser Realität.
Medial wird in unserer Bewusstseinsindustrie permanent die Wahrnehmung vermittelt, dass wir in einer Gesellschaft der freien Wahlmöglichkeiten leben, also in unserem ideellen Überbau und damit in unserem Denken und Handeln frei sind, nur in der Erscheinungsform der materiellen Praxis, da erleben wir das genaue Gegenteil, da wo es um die materielle Reproduktion geht, da fehlen dann diese Wahlmöglichkeiten.


