Geschwurbeltes von Mama Nationale
Die Tigerenten Koalition unserer Kanzlerin, mit ihren Zöglingen aus dem transatlantischen Zuchtstall der „Young Leader“, übt sich weiter im Lobbyismus. Seit ein paar Wochen wird wieder zurück regiert und der Mainstream ist begeistert. Zwar nur auf Kredit, aber alles nicht so schlimm: „Wir übernehmen die Kosten!“, hat Mama Nationale versprochen. An den 40 Milliarden Kredit, da hat sie dann aber mit ihren Tigerenten im Lobby-Sumpf ganz schön zu gründeln, wenn sie den zurückzahlen will. Oder wer ist hier WIR? Das Leben gab es mal gratis, den Rest anscheinend nur noch auf Pump.
Der Arbeitsmarkt gehört entlastet! Schon wegen der Kohle, denn wenn 100 000 Arbeitslose einen Job finden, dann entlastet das den Haushalt um 2 Milliarden Euro, da fast 9 Millionen Bundesbürger eine adäquate Beschäftigung suchen, könnte der Haushalt glatt um 180 Milliarden € entlastet werden, habe ich neulich schon mal vorgerechnet, deswegen erklärt die Financial Times Deutschland ja auch den Arbeitsmarkt zur Krisenfront.
Da aber die globalen Eliten den ökonomischen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, gegen den weltweiten Abbau von Arbeitsplätzen endgültig aufgegeben haben, die Leute sind im Produktionsprozess einer digitalisierten, Informations- und Wissensgesellschaft einfach überflüssig, ihre Arbeitskraft lässt sich nicht mehr Gewinn bringend verwerten, deshalb erleben wir mit der Weltwirtschaftskrise auch nicht den Anfang vom Ende des Kapitalismus, wie der feuilletonistische Mainstream orakelt, sondern wir beobachten, wie das System sich gesundschrumpft, wie es sich modernisiert und wie es seine autoritären Strukturen verstärkt.
So soll es Corporate America, nach einer Meldung von Telepolis, dem Online-Magazin von Heise, „im 3. Quartal gelungen sein, mit rund sieben Millionen Arbeitskräften weniger, um 3,5 Prozent mehr an Gütern und Dienstleistungen zu produzieren als im Vorjahreszeitraum. Dementsprechend erhöhte sich die Arbeitsproduktivität um satte 9,5 Prozent, was unmittelbar auf die Gewinne der Unternehmen durchgeschlagen hat.“
Die hohe Kunst des Verschleierns des wahren Ausmaßes der Arbeitslosenzahlen scheint dabei nicht nur eine Spezialität der Bundesrepublik zu sein. Danach weist die offizielle Statistik, nach 9,8 Prozent im September, für Oktober 10,2 Prozent (15,7 Mio.) Arbeitslose aus, allerdings erinnert der Telepolis Autor Rainer Sommer daran, dass weder die frustrierten Arbeitsuchenden, die sich nicht mehr um eine Stelle beworben haben, noch jene, die nur Teilzeit arbeiten, obwohl sie eine Vollzeitstelle suchen, in der Statistik auftauchen. Werden diese mit eingerechnet, steigt die Arbeitslosenrate sogar auf 17,5 Prozent und das soll, laut Telepolis, den bisherigen Nachkriegsrekord von 17,2 Prozent aus dem Jahr 1982 übertreffen. Damals lag die Zahl der Arbeitslosen nach der engeren offiziellen Statistik bei 10,5 Prozent.
Die sozialen Probleme, die Folgen dieser Krise, werden nach Möglichkeit global ausgelagert und da das nicht immer so ganz gelingt, deshalb braucht es auch innerhalb der BRD eine Krisenfront, also Instrumente zur Stabilisierung und Befriedung und damit kennt sich Jung als ehemaliger Verteidigungsminister halt aus. Deshalb gehört der Kampf gegen die Arbeitslosen und nicht etwa der für Arbeit, auch zu den vornehmsten Aufgaben eines Arbeitsministers.
„Wer an der derzeit wichtigsten Krisenfront Arbeitsmarkt zu kämpfen hat, der muss aber zumindest unter Beweis gestellt haben, dass er das Format für ein derart wichtiges Ressort hat. Der neue Arbeitsminister Franz Josef Jung hat in seinen vier tragischen Jahren an der Spitze des Verteidigungsministeriums eindrucksvoll nachgewiesen, dass es bei ihm höchstens zum politischen Liliputaner reicht,“ schreibt die Financial Times Deutschland.
Keine Angst, das ist nur Mainstream-Realität. Das kommt davon, wenn Journalisten sich damit zufrieden geben, dass sie über das Schattenspiel an Platons Höhlenwand eine Theaterkritik verfassen dürfen, ein kleinwenig am Grauschleier und an der Dramaturgie rummäkeln und aus dem Schattenwurf der Darsteller Rückschlüsse auf ihre Größe ziehen. Dabei produziert keine Lichtquelle größere Schatten, als das Fegefeuer der Eitelkeiten und das gilt auch für den Schatten, den der Kämpfer Jung an der Krisenfront Arbeitsmarkt für Mama Nationale wirft.
Bei der Ökonomisierung aller Lebensbereiche, da fallen die Kollateralschäden von ganz alleine an. Der Multimilliardär Warren Buffett, das Orakel von Omaha, erklärte dann auch der staunenden Journaille von der New York Times zwei Jahre vor Beginn der Weltwirtschaftskrise den Frontverlauf: »Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.« Er meinte damit damals noch den kapitalistischen Normalzustand, den vor der Krise.
Und wer wäre geeigneter, als ein gelernter Verteidigungsminister, die Privilegien der ökonomischen Eliten erfolgreich zu verteidigen? Jung hat Fronterfahrung! Unvergessen der dämonische Schatten dieses „politischen Liliputaners“, den er einst in der Rolle des Chefs der Staatskanzlei auf der Bühne in Hessen warf, als er im Stück über den unaufhaltsamen Aufstieg des Roland Koch, mit dem Regieeinfall „Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft“ das Grauen in seinen Zuschauern wach kitzelte. War es doch dieser Franz Josef Jung, der als Kleindarsteller des langen Schattens von Koch, für seinen virtuosen Umgang mit Parteispenden und seinen Monolog über den Schattenhaushalt der CDU, sogar auf offener Bühne Szenenapplaus erhielt.
Die Inszenierung von Ende 1999, das eindrucksvolle Bühnenbild mit den schwarzen Kassen des ehemaligen Bundesinnenministers Manfred Kanther, in der Rolle des Consiliere der Partei, das Spiel um den Kopf des capo di tutti capi beim Dialog um das „Jüdische Vermächtnis“, das schrieb bundesrepublikanische Theatergeschichte. Da wurde die Krisenfront auch bei laufender Inszenierung etwas begradigt, aber sie wurde gehalten! Das dankbare Publikum erklatschte sich weitere Zugaben.
Schade, dass auf der Bundespressekonferenz noch immer die Omerta herrscht und so wenig Holländer zugelassen sind, die sich mit dem Schattenwurf von Liliputanern, die diese für ihre Padrone werfen, auskennen.


