Obamas Knack-Arsch und der Wall-Street-Sozialismus
„Change!“ hauchte die Bild-Reporterin, als sie sich mit Obama in der Besenkammer traf. Pardon, das war Bumm Bumm Boris, … Bild trieb es natürlich im „Fitness- Studio“. Dabei erinnert doch selbst die Süddeutsche Zeitung an Becker-Eskapaden, wenn sie dem Bild-Girl attestiert, dass ihre Reportage der verwandelte Matchpoint gewesen sei.
Ob das feuchte Höschen, das "City-Talkerin" Judith Bonesky dabei bekam, von Bild Chef Kai Diekmann wie eine moderne Ikone der Beziehung zwischen Macht, Wissen und Sex in der Redaktion ausgestellt wird, ist nicht verbürgt, aber Lewinsky lässt schon mal grüssen.
„Die Tür geht auf. ER ist es wirklich! ER (1,87 m) ist viel größer, als ich ihn mir vorgestellt habe. ER trägt ein graues T-Shirt und eine schwarze Jersey-Hose, beides von Nike. Dazu weiße Joggingschuhe von Asics. Und ein umwerfendes Lächeln! ER ist ganz süß und besitzt eine knackige Hinteransicht!"
So schmilzt sie dahin, die anbiedernde Unreife vor dem göttlichen Obama, bewundert seine „durchtrainierten Arme", seinen knackigen Arsch und das Handling der maskulinen 32-Kilo-Hanteln, "erst zehnmal rechts, dann zehnmal links" - und ab zum Höhepunkt. "Lasst uns ihre Sexytime-Erinnerungen gemeinsam genießen", amüsierte sich dann auch der Washington-Klatschblog "Wonkette". „Was für ein Mann“, stöhnte dagegen die Bonesky in die Tasten, „fasste ihn um die Hüfte“ und vertraute dem Bild-Leser noch nach Tagen an: „Ich bin jetzt noch in so einem (feuchten) Traum drin.“
Dabei stürzten von Polit-Stars faszinierte Fan-Girls das Neue Empire schon öfters in die „ sexuelle Krise“. Denn immer dann, wenn die Machtverhältnisse thematisiert zu werden drohten, dann sorgte das Infotainment mit seinen willigen Girlies für skandalträchtige Aufmacher und half damit, die Verhältnisse wieder zu stabilisieren. So endete Clintons Versuch die Rüstungsausgaben zu begrenzen und die Sozialversicherungen voranzutreiben am Monika-Gate.
Prüde sollen die US-Bürger sein, sehr prüde sogar, meldet ntv und zitiert eine Umfrage, nach der sie neuerdings lieber über Sex reden als etwa über ihre eigene Kreditwürdigkeit und Verschuldung oder gar über die gigantischen Handelsdefizite der USA. Satte 82 Prozent der Bevölkerung vermeiden da lieber das Thema von der Liquiditätskrise.
Dass sich viele Nord-Amerikaner in eine Schuldenfalle verrannt haben, belegen die Statistiken. So besitzt der durchschnittliche US-Haushalt 13 Kreditkarten, die er mit 8.565 Dollar überzogen hat. Dazu kommen 14.414 Dollar an Schulden auf das Auto oder die Ausbildung, mehr als 10.000 Dollar an Krediten auf das Haus… und noch einmal 84.911 an ausstehenden Hypotheken. Dagegen ist die Sparrate mit 392 Dollar so hoch wie in den 1930er Jahren. Kein Wunder, dass man sich bei diesen Zahlen lieber über SEX unterhält.
Heute kaufen, morgen Zahlen war jahrzehntelang das Mantra von Corporate America. Kunden fahren heute Wagen, für die sie bis 2012 keine Zahlungen leisten müssen. Kunden kaufen Flachbildschirme und Computer ohne Anzahlung und Immobilien mit monatlichen Raten, die weniger als die jeweilige Zinslast decken.
Nur dieser mediale Blick auf das ökonomische Desaster der USA verschleiert die Ursachen und lädt die Schuld für die Krise bei dem „unmündigen Konsumenten“ ab, der über seine Verhältnisse gelebt hat. Aber diese Politik war gewollt. Dem US-Bürger wurde bewusst Kapital entzogen, das dann durch billige Kredite ersetzt wurde, um weiter die Binnennachfrage zu stützen und um dann dieses Kapital in Rüstungsausgaben stecken zu können.
Ismael Hossein-Zadeh, Professor of Economics an der Drake University, in Iowa weist nach, dass durch die Reformen von Franklin Delano Roosevelts "New Deal", zugunsten größerer sozialer Verantwortung, und durch Lyndon B. Johnsons Kampf gegen die Armut, der Anteil von nicht militärischen Regierungsausgaben bedeutend anstieg und damit der Anteil der Militärausgaben entsprechend fiel. Ab Mitte der 50er bis Mitte der 70er Jahre des 20ten Jahrhunderts, wuchs der Anteil von nicht militärischen Ausgaben des Brutto-Sozial-Produkts von 9,2 auf 14,3 Prozent. Während dieser Zeit, halbierte sich der Anteil von militärischen Ausgaben vom Brutto-Sozial-Produkt fast, er sank von 10.1 auf 5.8 Prozent.
Dieser Trend wurde erst wieder umgedreht, als Präsident Reagan, im Namen der Rüstungsindustrie, als Vertreter von General Electric, des Konzerns, der nicht nur die Mini-Nukes produziert, sondern der auch seit 2004 das drittgrößte Medienunternehmen der Welt, NBC Universal, kontrolliert, die Macht im Weißen Haus übernahm. Im Auftrag seiner Arbeitgeber und Wahlkampfspender zog Reagan in den frühen 80ern die Militärausgaben drastisch an und im selben Moment hat er dann genauso drastisch die Steuertarife für höhere Einkommen gesenkt.
Die dadurch entstehenden großen Etatdefizite wurden wiederum über ein Jahrzehnt durch rigorose Kürzungen und Streichungen in allen anderen staatlichen Bereichen bezahlt. Statistisch blieb es damit zwar immer bei den ca. 20% Regierungsausgaben bezogen auf das Brutto-Sozial-Produkt, nur die US-Bürger trieben in eine Schuldenfalle, öffentliche Jobs wurden gestrichen und Infrastrukturmaßnahmen, die für eine andere Steuerverteilung gesorgt hätten, erst gar nicht in Angriff genommen.
Die Bush-Regierung, als Vertreterin eben dieses industriell-militärischen Komplexes inszenierte ein neues Feindbild, sie entdeckte den internationalen Terror und schaffte es mit der Unterstützung der Medien die eigene Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und dem US-Bürger eine ähnliche Politik, wie die unter Reagan, als notwendig erscheinen zu lassen.

„Change?“ Der ewig wie ein Honigkuchenpferd grinsende, texanische Präsidenten-Darsteller hat sich etwas verbraucht und wird durch einen süßen, jugendlichen Helden mit einem umwerfende Lächeln und einer knackige Hinteransicht ersetzt. Let`s talk about SEX Baby, let`s talk about …
Der Entschlüsselung der Beziehung zwischen Macht, Wissen und Sex hat schon vor dem Scoop von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, der französische Philosoph, Psychologe und Soziologe Michel Foucault „ganze“ Bücher gewidmet. Er zeigt anhand des Diskurses über den Sex exemplarisch auf, wie Machtstrukturen wirken. Das Zeitalter der sexuellen Repression im 17. Jahrhundert fällt mit dem Beginn des Kapitalismus zusammen, sie ist der bürgerlichen Ordnung in Fleisch und Blut übergegangen, weil der freie Umgang mit der Sexualität mit einer allgemeinen und intensiven Arbeitsordnung unvereinbar ist.
Vorbei die Zeiten, als im alten Rom der Tempel der Bonadea, der Göttin der Keuschheit, zum Mittelpunkt sexueller Ausschweifungen geworden war, denn der Mensch hat, was seine Freiheitsfähigkeit bzw. Freiheitstauglichkeit betrifft, ein unergründliches Geheimnis zu bleiben, zur Erforschung freigegeben ist lediglich seine Ausbeutbarkeit.
Foucault sieht eine kontinuierliche Entwicklung, die auf der einen Seite das Reden über den Sex permanent anheizt und den Diskurs darüber systematisch fördert, ein Trend, der bei ihm von den mittelalterlichen Beichtkatalogen über die moderne Psychoanalyse bis in die Spalten der Bild-Zeitung reicht und auf der anderen Seite zeigt sich die Tabuisierung oder das Verbot gerade in den Elementen der Förderung und eben nicht in denen der Unterbindung und der Unterdrückung. Denn die Zwänge, denen das Individuum ausgesetzt ist, seitdem man es davon überzeugt hat, es trage in sich eine gefährliche und geheime Kraft, nämlich die der Sexualität und diese Kraft gelte es jetzt neu zu entdecken und mit ihrer „Entdeckung“ in gesellschaftliche Konventionen zu gießen, diese Zwänge dienten schon immer nur dem Machterhalt.
„Change“, hauchte deshalb auch der Wallstreet- Makler, als er es mit dem Gespenst auf dem Parkett trieb, das früher mal in Europa umging, und als Gespenst des Sozialismus in so einem Manifest sein Unwesen trieb. „Die Geldmanager erwarten, dass "der Staat" eingreift, um einen Bankenkollaps plus Börsencrash abzuwenden. Auf jeden Fall müssten die schwer kriselnden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gerettet werden, ist sich die amerikanische Medienlandschaft einig.
Die beiden Firmen garantieren rund die Hälfte der Hypotheken für Eigenheime in den USA. Im "Wall-Street-Sozialismus" soll eben nur das Risiko vergesellschaftet werden, obwohl beim Börsenhöhenflug die Profite in den oberen Stockwerken landeten. Regierungseinmischung, außerhalb des militärisch-industriellen Komplexes, also auf dem so genannten "freien Markt", schadete eben nur solange der Wirtschaft, Amerika und dem Rest der Welt, bis auch noch der letzte Konsument abgezockt war. Der Chef von Fannie Mae hat noch vergangenes Jahr 18 Millionen Dollar verdient und der von Freddie Mac 13 Millionen, klärt die Wochenzeitung Freitag, das jüngste „Hobby“ (?) von Augstein junior, seine Leser auf.
Dabei hielt Obama noch im Juli Ansprachen über die Notwendigkeit, "Verantwortung zu übernehmen" für die eigenen Handlungen. Gerichtet war die Mahnung zum großen „Change“ freilich nicht an die Banker und an die Geschäftsführer der Kreditkartenfirmen, die selbst hoch verschuldeten Verbrauchern immer mehr Plastik anbieten, sondern an Afro-Amerikaner, besonders an die schwarzen Väter, die sich nicht um ihre Kinder kümmerten. Denn Hartz IV wurde schließlich in der Bundesrepublik auch nur eingeführt, damit Typen wie Florida Rolf nicht weiter die soziale Hängematte strapazieren und nicht etwa um Gelder für eine internationale Eingreiftruppe frei zu bekommen und den Rüstungsetat auf zu peppen.
Es sind dieselben Banker, die mithelfen, dass sexy Obamas Wahlkampagne zur best finanzierten Kampagne der US-Geschichte wird. Der Politikwissenschaftler Adolph Reed resümiert: Obama habe eine Allianz der Managerklasse mit dem "fortschrittlichen" Flügel der Investorenklasse aufgebaut.
Und das bisher nur zwei Mitglieder des Senats in den vergangenen zehn Jahren mehr Wahlspenden von Freddie Mac und Fannie Mae erhalten haben, als Barack Obama, dass lag bestimmt auch nur an seinem knackigen Arsch und seinem umwerfenden Lächeln.
Obama predigt den Wandel, und seine begeisterten Anhänger huldigen einem politischen Pop-Star. Nur, dass der Wandel eben nicht mit einer allgemeinen Obamania zu haben ist, sondern nur über eine Drosselung der Rekordmilitärausgaben, dass verschweigt er seinen Wählern. Obama will die aus dem Irak abgezogenen Streitkräfte danach in Afghanistan weiter für die sprudelnden Profite der Waffenproduzenten sorgen lassen, schließlich geht es um die Profite seiner Wahlkampfspender, pardon, um den Kampf gegen den Terror, natürlich.
Wie sagte der Sohn von Martin Luther King dem "Stern" über dessen historisches "I have a dream": "Ein Schwarzer im Weißen Haus ist nicht die Erfüllung seines Traums. Vielleicht ein Teil davon. Sein Traum wird erst wahr, wenn alle Amerikaner eine Krankenversicherung haben, alle den gleichen Zugang zu guten Schulen, zu Jobs und zu bezahlbaren Wohnungen haben."
„Aber wieso Butter für die schwarzen Väter und ihre Kinder, wenn es doch um Kanonen gegen den Terror geht?“


