Pannen, Patzer, Peinlichkeiten ...
... aber nicht doch, unser politischer Super-Star aus der Uckermark, unsere mächtigste Frau der Welt, unser „Pitbull mit Lippenstift“, unsere Kanzlerin, die erfolgreich alle Attacken der christlichen männlichen Hoffnungsträger der Partei abgewehrt und diese Polit-Tiger in Bettvorleger verwandelt hat, Kohls-Mädchen für die Umwelt, unsere Angie, die „menschelt!“
"Kasi" nannten ihre Schulkameraden die kleine Angela Dorothea, vertraute sie der "BamS" an, aber anstatt nun über ihre Abenteuer im real existierenden Sozialismus, etwa bei der Stasiobservation am Grundstück der Havermanns, rund um die Uhr, zu berichten, oder über ihre Karriere als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda, da erzählt Sie der Bild lieber, wie sie als christliche Pfarrerstochter Blaubeeren pflückte, "bis die Fingerkuppen tiefschwarz waren" und wie sie damit nicht nur ihr Taschengeld aufbesserte, sondern sogar am ökonomischen Untergang des Arbeiter und Bauernstaates, also der so genannten Ostzone, dem Gebilde mit den Gänsefüßchen, gearbeitet hat und das nötigte dann sogar der FAZ Respekt ab.
Glücklich das Land, das eine in Wirtschaftsdingen so beschlagene Frau Bundeskanzlerin hat, stellt da Thomas Strobl in seinem Blog „Chaos as usual“ erleichtert fest. Denn wie Frau Merkel bereits in jungen Jahren ihr Talent für die Blaubeer-Arbitrage unter Beweis gestellt hat, indem sie das Kilo Blaubeeren an die "Handelsgenossenschaft für Obst und Gemüse" für vier Mark verkauft hat und weil Blaubeeren vom Staat subventioniert wurden, dann diese wieder für zwei Mark zurückgekauft hat, also in durchaus riskanten private-to-public-Transaktionen den goldenen kapitalistischen Grundsatz "Buy low - Sell high" verwirklicht hat und dabei Gewinnspannen von 100% eingefahren hat, dass lässt selbst die Rendite-Maximierer unserer Tage vor Neid erblassen. Kein Wunder also, dass sich der Joe von der Deutschen Bank so gut mit der Angie versteht, wo die ihm mit seinen läppischen 25% doch jederzeit die lange Nase drehen kann.
Dabei plaudert Angela Merkel, die Mutter der Nation, nicht nur über ihre erste Zigarette mit 14, über ihrem ersten Kuss mit 16, sondern sie legt plötzlich sogar öffentlich Wert darauf, dass sie noch persönlich einkaufen geht! Wow! Sie vertraut ihren Fans an, dass sie morgens das Frühstück macht und am Wochenende am Herd steht. Auch wenn das manchmal etwas hölzern klingt, sie sei auch als Kanzlerin sehr wohl "lebensfähig und lebenstauglich", gibt sie im aktuellen "Focus" zu Protokoll.
Da mag der SPD-Spitzenkandidat Steinmeier auf dem Bildungskongress seiner Partei in Kiel noch so sehr spotten und der Kanzlerin vorwerfen, dass sie sich lieber über "Kochrezepte" verbreitet statt über Politik, nur dieser ökonomische Fastfood-Junky, mit seinen 4 Millionen Mc.Jobs, der ist chancenlos gegen Angie, die dank ihrer sozialistischen Bildung natürlich Brecht kennt und daher weiß, dass über das Fleisch im Topf eben nicht in der Küche entschieden wird.
Die FAZ gibt da dankenswerter Weise selbstlos den Genossen Nachhilfeunterricht, indem Don Alphonso in seinem Blog die „Stützen der Gesellschaft“ darauf hinweist, dass früher die Klassengrenze zwischen jenen, die kochen ließen und jenen, die selbst kochen mussten verliefen. Außerdem soll es da noch die gegeben haben, die froh sein konnten, wenn sie etwas zum kochen hatten.
Aber diese Klientel hat die SPD schon lange an die christlichen Tafeln entsorgt, nachdem selbst der Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger, ausgearbeitet und im Selbstversuch getestet vom Genossen Thilo Sarrazin, bei dieser Zielgruppe auf so wenig Gegenliebe gestoßen ist. Dabei hatte doch der ehemalige Berliner Finanzsenator, der frisch gebackene Bundesbanker, nur dezent darauf hingewiesen, dass die Sache mit dem Untergewicht das kleinste Problem der Hartz-IV-Empfänger sei.
Heute, in dieser urbanen Generation, schreibt der FAZ-Blogger Alphonso, verläuft die Klassengrenze zwischen jenen, die noch kochen können, wie unsere Bundeskanzlerin und jenen, die es nicht mehr beherrschen und finanziell ausgekernt werden. Und eben den Suppenküchen-Besuchern, die es nicht mehr praktizieren, weil sie es sich nicht mehr leisten können. In Berlin, hört man, werden schon Wohnungen ohne Küchen geplant, beklagt die FAZ das ganze Ausmaß der Misere.
Vermutlich liegt es einfach auch daran, dass viele Menschen unter "Kochen" nur noch das Öffnen einer Packung und das Verfrachten in die Mikrowelle verstehen. Pasta mit Fertigsoße. Den Stellenwert, die Bedeutung der kulinarischen Umsetzung von Kochrezepten am eigenen Herd, den kann man deshalb in diesem Wahlkampf gar nicht hoch genug ansetzen.
Denn bei den unter 45-jährigen Wählerinnen und Wählern erreicht die CDU heute keine 30 Prozent mehr. Je höher die Bürger dieser Jahrgänge qualifiziert und gebildet sind und damit laut der FAZ oberhalb der Klassengrenze,- als „Selberkocher“ -, rangieren, desto geringer fällt die Präferenz für die Christdemokraten aus und dem will Merkel mit ihrer Offensive am Kochtopf nun Einhalt gebieten.
Aber auch für die Vegetarier ist diese Frau wählbar, denn schon in der vergangenen Woche verriet die 55-Jährige in der Frauenzeitschrift "Myself", dass sie sich im Kanzleramt nachmittags oft "einen Teller Mohrrüben" kommen lasse, weil sie nicht so gerne Obst esse.
In "Frau im Spiegel" spricht die Kanzlerin dagegen über ihr Gottvertrauen und ihre regelmäßigen Tischgebete. Aber einen Hang, profane Dinge religiös aufzuladen, den hat Sie, trotz ihrer Bereitschaft damals mit Bush am Krieg der USA im Irak teil zu nehmen, immerhin war das auch eine "von Gott gegebene Aufgabe", noch nicht gezeigt. Es darf auch bezweifelt werden, dass die studierte Chemikerin jetzt an den Schulen neben der Evolutionsbiologie gleichwertig die biblische Schöpfungsgeschichte lehren lassen will, wie es ihre konservativen Parteifreunde in den USA propagieren.
Langfristiges, strategisches Denken zeichnete Angela Merkel schon als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit aus, oder kürzer gesagt, als Dosenpfandministerin. Die herausragende Leistung der Angela Merkel war, unter dem Wiedervereinigungskanzler Kohl, ihre Unterschrift unter das Dosenpfandgesetz, das uns allen die allseits beliebte Dosenpfandregelung gebracht hat. Sozusagen war damit der Einstieg in das Zubrot für ihr Wählerklientel vollzogen und der Lohnausgleich durch das Sammeln von Plastikpfandflaschen vorgegeben.
Denn keine andere Parteianhängerschaft ist derart stark durch die Gruppe von Arbeitslosen dominiert wie die der CDU. Nur die Hälfte der christdemokratischen Wähler steht noch aktiv im Beruf. Als vitaler Träger dynamischer Marktreformen taugt das CDU-Lager daher, rein sozialstrukturell gesehen, schon lange nicht mehr.
Wenn aber, bei dem ganzen medialen Einsatz unserer Kanzlerin, immer noch fast 50 Prozent der CDU/CSU-Anhänger der Aussage zu stimmen, wie das Institut Infratest dimap jüngst ermittelt hat: "Bei der CDU/CSU weiß man nicht so genau, was sie nach der Bundestagswahl vorhat," dann zeugt das mal wieder von der politischen Ignoranz der Landeskinder unserer „Super-Mom“.
Das Programm, das Angela Merkel, als Mutter der Nation, „bei ihrer Menschwerdung", der Boulevard-Presse anvertraute, lässt sich auch als Anleitung zum „Subventionsbetrug, zum Kochen, zum Beten und zum Pfandflaschen sammeln“ zusammenfassen. Je nach Klassenzugehörigkeit, versteht sich, ist dann für jeden etwas dabei, denn: „Wir haben die Kraft!“
Eine demokratische Willensbildung ist in diesem Wahlkampf daher auch nicht weiter vorgesehen, wo kämen wir denn auch hin, wenn Sie als Bürger zur Kenntnis nehmen würden, wie unsere politische Elite ihre Steuergelder und die Ihrer Kinder verpulvert. Und das an Manager, die für eine Bank arbeiten, die eigentlich schon bankrott ist, nur damit diese dann Boni in Millionenhöhe beziehen können. „Die Politik soll aufhören, über Moral, Werte, freiwillige Codices, Gentlemens agreements und ähnliche Transzendalien zu quatschen, und endlich ihrer gesetzgeberischen Verantwortung nachkommen“ hat Jürgen Habermas bereits vor Monaten sinngemäß in einem Interview mit der ZEIT gefordert.
„Und wer möchte sich dieser Aufforderung nicht anschließen?“ fragt Thomas Strobl in der FAZ um dann fort zu fahren: „Aber genau das tut die Politik ja nicht. Allen voran unsere in Blaubeeren-Geschäften so versierte Frau Bundeskanzlerin und ihre regierenden, schwarzen Parteigenossen scheuen sich in Wahrheit davor, wie der Teufel vor dem Weihwasser. Denn es gehört zum verqueren Weltbild der so genannten "Konservativen", dass Ordnung zwar sein muss - aber staatliche Regelung oder gar gesetzlicher Zwang in Wirtschaftsdingen? - Pfui gacks, das geht gar nicht!“
Aber da die Sanktionierung, die Zustimmung bzw., die Ablehnung in unserem Parteien-System nicht mehr funktioniert und damit unsere politische Elite, selbst dann, wenn sie dem Bürger massiv schadet und belastet, nicht mehr mit einem Denkzettel bei der Wahl zu rechnen hat, deshalb geht es heute nur noch darum, das Meinungsklima zu ihren Gunsten perfekt zu organisieren. „Wir haben keine demokratischen Verhältnisse mehr“, fasste der ehemalige Wahlkampfmanager von Willy Brandt, der PR-Kritiker Albrecht Müller, in seinem neuesten Buch, „Meinungsmache“, wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen, seine Thesen zusammen. „Und wir haben noch Glück,“ erklärte er im Spiegel, „dass bisher kein Rechtsradikaler aufgetaucht ist, der klug genug ist, aus dem Ärger darüber politisches Kapital zu schlagen“.
Nicht umsonst wird da vorsichtshalber vom Mainstream, so als strahlender Ritter und Retter der Enterbten, als Rächer der Witwen Waisen, unser Wirtschaftsminister von der CSU aufgepumpt, dessen markanteste Eigenschaften bisher sein Alter, seine adlige Herkunft und sein Haar-Gel sind. Seine Aufgabe wird darin bestehen, das wohlfeile politische Geschrei nach ökonomischen Regeln, nach einer gesetzgeberischen Initiative für unsere liberale freemarket-Economy an die Verteidiger dieses Casino Kapitalismus zu delegieren, an eine der internationalen Law firms, die in solchen Dingen ja reichlich Erfahrung haben, wie uns das Haus zu Guttenberg jüngst blauäugig anvertraute.


