Prostitution unter Alpha-Tieren
Da wundert sich zwar das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg darüber, dass die Klimaveränderung auch im hessischen Landtag zugeschlagen hat und dass das angeschlagene Alpha-Tier der CDU, der Ministerpräsident Roland Koch, jetzt das politische Dampfgeplauder mit offenen Türen bekämpfen will, und neuerdings selige Softieschwaben durch die Volksvertretung wehen, nur hier in meiner Kolumne, da wunder ich mich wieder mal nicht mit.
Wusste doch schon das Berliner Urgestein Wolfgang Neuss: „Wenn man nicht haargenau wie die CDU denkt, fliegt man glatt aus der SPD" und auf diesem jüngsten Gerücht hat unser Wowi schließlich sein ganzes Regierungsprogramm aufgebaut, nur dem Lebensabschnittspartner der Berliner Sozis scheint diese kleine Einschränkung im Ehevertrag bis heute noch gar nicht aufgefallen zu sein.
Die hohe Kunst des
Infotainments setzt die Beherrschung der literarischen Form des
Kitsches als zwingend voraus. Sex, Crime und Action beleben heute die
politische Berichterstattung. Darum kann auch auf Programm-Inhalte
bequem verzichtet werden. Vokabeln wie „Linksflirt“ und „Seitensprung“
sorgen für den notwendigen Schuss Erotik, „Wortbruch“ und „Wahlbetrug“
suggerieren Crime und die „politische Geisterfahrt“ verspricht Action
pur.
Auch bei der FAZ ist es kurz vor High-Noon: „Die Uhr im
Raum 307 W ist stehen geblieben, eines jener tristen Zimmer mit
Rauhputz, schlechter Kunst und zu hohen Tischen, sie zeigt fünf vor
zwölf. Andrea Ypsilanti kommt verspätet …“ natürlich zum großen Show
down, denn bei der FAZ ersetzt ein Spaghetti-Western aus Cinecitta die
inhaltliche politische Analyse, und so erfährt der Leser: „ Raum 307 W
ist in seiner öden Funktionalität ein guter Ort für einen Wortbruch.“
Als
Jongleur mit Worthülsen unterhält auch der CSU-Landesgruppenchef Peter
Ramsauer seine Wähler und surft dabei munter auf der medialen Welle von
Klatsch und Tratsch. Warnte die ZEIT in ihrem SPD-Sex-Aufmacher vor
„Gefährliche Liebschaften“, so setzte er auf dem Landesparteitag der
CSU Mitte Juli noch munter einen drauf und hält jetzt die
Beziehungskiste, die Wowis SPD mit der Linken pflegt und in die
Ypsilanti steigen wollte, doch glatt für "Prostitution".
Die
SPD wolle ein rot-rotes Regierungsbündnis im Bund, warnte Ramsauer
seine Bayern. "Niemand in der SPD kann mehr leugnen, dass mit den
Ultra-Linken, den Kommunisten, mit den SED-Nachfolgern sich in ein
gemeinsames Bett hineinprostituiert wird."
Eine „verlotterte
SPD“ (Originalton Ramsauer) embedded in patriarchalischer Anmaßung.
Dabei ziert sich die Mutter aller diesseitigen, zukunftsschwangeren
Glückseligkeitsversprechen schon seit je vor der sozialen Nagelprobe
der ersten Nacht. Denn zwischen allen Stühlen sitzt nur der Abgeordnete
in einem Sessel.
Immerhin scheinen sich der mediale
Temperaturanstieg der letzten Wochen und der allgemeine Niveauverfall
einander zu bedingen. Auch Andrea Ypsilanti übt sich neuerdings in der
Virtuosität der verbalen Keuschheitsdialektik. Lieber mit dem
Alpha-Tier Koch im Landtag in aller Unschuld kuscheln, denkt sie sich
bestimmt, als in die linken Federn hineinprostituiert zu werden.
Ramsauer hält seine Nürnberger Parteitagsrede zwar selber bloß für medialen
christlichen Oralsex, doch die Ypsilanti fürchtet selbst die
unbefleckte Empfängnis beim „gefährlichen Flirt mit der Linkspartei“,
vor dem die Welt eindringlich warnt. Deshalb schlagzeilt ihr auch aus
allen Blättern ein „Schämen Sie sich, Frau Ypsilanti“ entgegen.
Eigentlich unverständlich, denn die gute Frau möchte vielleicht nichts
weiter vermeiden, als eine Wiederholung deutscher Geschichte zu
riskieren, wenn auch diesmal vielleicht nur als Farce.
Am 22.
Oktober 1923 ließ der damalige Reichspräsident Friedrich Ebert die
Reichswehr nach Sachsen und Thüringen einmarschieren, um die
sozialdemokratisch, kommunistische Koalitionsregierung in Dresden unter
Ministerpräsident Erich Zeigner (SPD) zu stürzen. Schon beim
Sachsenschlag ging es natürlich nur um Sitte und Moral und darum dem
Lotterleben der Dresdner Sozis ein christliches „Ora et labora“
entgegen zu setzen, denn nur „im Schweiße seines Angesichts soll der
Prolet sein Brot essen“. Berliner Sponti-Forderungen, die in der
Erkenntnis kumulierten: „Wir wollen kein Stück Kuchen, wir nehmen
lieber die Konditorei“, standen ab dann nicht mehr auf der politischen
Tageskarte.
Wen wundert es also, wenn die auch heute noch in der
weichgespülten Linken mit Marx umgehen, wie der Vatikan mit Jesus, um
noch einmal Neuss, leicht aktualisiert, zu zitieren.
Aber man(n,
Frau auch) stelle sich nur vor, unsere geliebte Angie würde sich nun
auch noch der Erotik der Macht unterwerfen und ihre Truppen zum großen
Showdown aus Afghanistan abziehen, wo sie doch dringend als Erntehelfer
auf den Mohnfeldern gebraucht werden, nur um dann in Hessen den
„Sachsenschlag“ zu wiederholen, dass wäre zwar eine Lösung, nur leider
passte sie schon damals nicht zum Problem.
Denn nachdem das
Lotterleben der Sozis in der linken Beziehungskiste mit dem
Sachsenschlag erfolgreich unterbunden wurde und die paradiesischen
Zustände wieder auf die Zeit nach dem Ableben verschoben wurden, wie es
sich für aufrechte Christenmenschen gehört, folgte 1932 der
Preußenschlag und danach wurde dann der Grundstein für die COMfactory
am Hohenzollerndamm gelegt, natürlich jetzt den politischen Umständen
gehorchend, zuerst als Luftwaffenkaserne und so wurde in den nächsten
1000 Jahren dem Arbeiter wieder mal die Butter von der Stulle geklaut
und dafür Kanonen angeschafft.
In dieser schönen Tradition steht
auch der Hamburger SPD Bundestagsabgeordnete und Sprecher des
einflussreichen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, der große mediale
Widersacher dieses Seitensprungs der Hessen-SPD.
Kahrs, der
seinen Wahlkampf deshalb auch konsequenterweise lieber gleich vom
Rüstungskonzern Rheinmetall und von dem Panzerhersteller Krauss Maffei
sponsern lies, wie das Hamburger Abendblatt seine Leser aufklärte,
weis, die Bürde des Menschen ist unantastbar.
Der Sozi Kahrs
sitzt schließlich im Haushaltsausschuss des Bundestages, ist
stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss, gehört den
Präsidien des Förderkreises Deutsches Heer und der Gesellschaft für
Wehrtechnik an etc. und ist damit nicht die soziale Lösung sondern ein
Teil des Problems. Da weder in Deutschland, noch um Deutschland herum,
also mit unseren europäischen Nachbarn, Krieg herrscht, gibt es
eigentlich auch keinen Grund ständig neue Rüstungsgüter anzuschaffen
und dem Wahlvolk die versprochene Friedendividende weiter zu verweigern.
Aber
zum Glück entdeckten unsere Abgeordneten nach dem Kalten Krieg diese
humanitäre Auslandseinsätze und gegen diese hat sich, wie 80% der
Bundesbürger, auch die Truppe der frustrierten Sozialdemokraten und
Gewerkschaftler, die unter dem Label „ Die Linke“ firmiert,
ausgesprochen. In dem Fall müssten Sozialdemokraten wie Kahrs, die zu
allem fähig sind, nur nicht zum Verzicht auf Spenden und winkende
Beraterposten, ihre Friedensfähigkeit unter Beweis stellen und so etwas
kostet der Rüstungsindustrie Millionen an Steuergeldern.
Zwar
könnte so etwas dem Arbeiter wieder die Butter auf die Stulle bringen,
nur diese kleinen aber feinen Zusammenhänge kommen im Infotainment
leider nicht vor. Kein Wort über den „Gefährlichen Liebesflirt“ mit der
Waffenlobby, wenn sich SPD Abgeordnete mal wieder ins Rüstungsgeschäft
hineinprostituieren. Ein aufrechter Politiker braucht halt gar keinen
Krieg, der kriegt das Land auch so kaputt.
Der Schutt, der auf
den Preußenschlag folgte, sei zwar inzwischen wieder abgeräumt, denn
wir leben hier auch in Berlin nicht mehr im Jahre 1945, sondern schon
im Jahr 1947, wie uns jüngst Wowis wortgewaltiger Schnelldenker
Sarrazin aufklärte. Nach dem Berliner Sparsenator würden Ypsilanti und
Merkel heute als Berliner Trümmerfrauen Steine klopfen und aus den
Truppenbeständen der Roten Armee versorgt werden, denn die
Rosinenbomber landeten erst, als die ersten U- und S-Bahnen wieder
fuhren. Nur mit dem Lotterleben, da hatte es auch nach ’47 mal wieder,
weder im Arbeiter und Bauern Paradies noch in der sozialen
Marktwirtschaft, so richtig geklappt.
Aber solange in der SPD der Seeheimer Kreis den Ton angibt, muss der Wähler das Kreuz das er macht auch auf sich nehmen.


