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Realität im Mainstream



Erinnern sie sich noch an den 11. September? Es war der Tag, nach dem „ein Wind über die USA ging und ein Ruck durch das Volk,“ wie Norman Mailer konstatierte. Der Tag, nach dem bald darauf überall die Fahnen wehten. „Nahezu jeder in Amerika schwenkte eine Fahne. Kein schöner Anblick", stellte Mailer damals fest. „Schließlich ist „Patriotismus die letzte Zuflucht für den Schurken, hat H. J. Mencken gesagt – oder war es Samuel Johnson? Über die Quelle lässt sich streiten, nicht über die Botschaft", befand Mailer.

Für die Schurken ist in den USA das FBI zuständig, das Federal Bureau of Investigation. Diese bundespolizeiliche Ermittlungsbehörde des Justizministeriums der Vereinigten Staaten, mit Hauptsitz im J. Edgar Hoover Building in Washington D.C., hat sich das schöne MottoFidelity, Bravery, Integrity etwa „Treue, Mut, Integrität“ auf die Fahnen geschrieben und nach dem 11. 9. natürlich ebenfalls zum großen patriotischen Fahnenschwenken angesetzt.
 
Da diese Behörde für alle Verstöße gegen Bundesgesetze und für alle Verbrechen, in deren Zuge Staatsgrenzen innerhalb der USA überschritten werden, zuständig ist, sollte eigentlich jeder Amerikaner davon ausgehen können, das spätestens seit dem 12.9.2001 mit der forensischen, kriminaltechnische Untersuchung der Anschläge begonnen wurde. Die Bergung und Sicherung der Flugschreiber der vier 9/11-Flugzeuge und die identifizierten Wrackteile etwa des Boeing-Jets, der in das Pentagon gekracht ist, sind kriminaltechnischer Alltag, ein Vorgang, wie er selbst jedem abgestürzten Privatflugzeug eingeräumt wird.
 
Das Dumme ist nur, eine solche Untersuchung hat nicht einmal ansatzweise stattgefunden, wie jetzt eine Zeugenaussage des FBI deutlich macht.
 
Dabei liegt der Einsatzschwerpunkt des FBI ausdrücklich bei der Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz und dem Schutz vor terroristischen Aktivitäten, sowie der Unterstützung und Überwachung untergeordneter Behörden und Organisationen. Insgesamt umfasst der Tätigkeitsbereich mehr als 200 Verbrechenstypen. Die Bekämpfung und Verfolgung von Terrorismus, Drogenhandel, Gewaltverbrechen und Wirtschaftsverbrechen hat dabei höchste Priorität.
 
Aber nachdem die medial angeheizte, mit den Gefühlen der US-Bürger spielende, große, alles erfassende Woge des Patriotismus, wieder abgeklungen war, setzten die Zweifel ein und jetzt hat sich ein US-Bürger ein Herz gefasst und im Rahmen des “Freedom Of Information Act” die "documentation pertaining to any formally and positively identified debris", also die Dokumenation der formell und positiv indentifizierten Wrackteile der bei den Attacken benutzten Flugzeuge, angefordert – und da er sie nicht erhielt, hat er ihre Zustellung vor Gericht eingeklagt. Daraufhin ging dem Gericht eine schriftliche Erklärung des Chefs der FBI-Dokumentationsabteilung (Records/Information Dissemination Section, RIDS) zu, in der trotz intensiver und genauer Suche nichts zu finden war: “Despite this extensive and detailed search effort, RlDS has been unable to locate any FBI records responsive to plaintiffs request.”
 
Halten wir also fest, schreibt Mathias Bröckers in seinem writersblog bei Zweitausendeins: das FBI hat nicht nur, wie hier schon vor zwei Jahren gemeldet keine Beweise gegen den vermeintlichen Haupttäter der Anschläge, Bin Laden - “The reason why 9/11 is not mentioned on Usama Bin Laden’s Most Wanted page is because the FBI has no hard evidence connecting Bin Laden to 9/11.”. - auch was die “Tatwaffen” betrifft gibt es keine “hard evidence”.
 
Aber hüten wir uns, warnt Bröckers vorsichtshalber seine Leser, vor der Frage, warum jedes abgestürzte Kleinflugzeug genauer untersucht und identifiziert wird als die vier am 11.9. entführten Boeing-Jets. Das ist Verschwörungstheorie und hilft nur den “Terroristen”.

 


Nur das Ereignis, das diese Welle von Flaggenpatriotismus ausgelöst hatte, war nichts weiter als eine adäquate Umsetzung der Untergangs-Phantasien Hollywoods. Georg Seeßlen, spricht mit traumwandlerischer Sicherheit aus, was laut der Untersuchung von Klaus Theweleit in seinem Buch „Der Knall“ hunderte von Feuilleton-Schreibern, so oder so ähnlich auch formuliert haben: "Merkwürdigerweise allerdings kommen die Bilder dieses radikalneuen Ereignisses in Form eines bizarren Déja vu über uns. Eine Katastrophe, die schon längst in unseren Bilderwelten spukte, im Kino sowieso. Wir kennen die Bilder des brennenden Hochhauses aus Flammendes Inferno, wir kennen die terroristischen Aktionen, die Flugzeugentführungen und Abstürze wie in Airport, die Attentate, die sich gegen Herzstücke der (nord)amerikanischen Kultur richten, aus den Stirb langsam-Filmen mit Bruce Willis, wir kennen die panische Flucht durch die Strassen der Metropole aus Independence Day und so weiter."

"Wir kennen", also ich nur mit Einschränkung, meine Kinder schon, meinen Fernseher habe ich schon vor Jahren auf dem Müll entsorgt, "aber Seeßlen hatte anscheinend nicht Unrecht mit seiner Behauptung", schlussfolgert Klaus Theweleit, "denn von Air Force One, über Armageddon bis hin zu Mars Attacks, wurde die Liste der Filme in weltweiter Kommentatoren Kooperation im Nu komplettiert."

Hatte also Karlheinz Stockhausen doch Recht, als er sich auf der Pressekonferenz zum Hamburger Musikfest, für das man extra vier seiner Konzerte geordert hatte, um Kopf und Kragen redete? „Was da geschehen ist, ist das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat!" verkündete er der etwas gelangweilten Medienmeute, die, jetzt hellwach, natürlich seiner Bitte, das Gehirn umzustellen, erst gar nicht nachkam und so buschfeuerte der „Crash als Kunstwerk" danach als Skandal durch Presse, Funk und Fernsehen, diesmal ganz ohne das obligatorische Bedauern über das Riesenverbrechen, das der Künstler, noch immer neidvoll die perfekte Inszenierung bestaunend, doch glatt vergessen hatte.

Dabei war es genau das. Die Wahrnehmung des Ereignisses als „Kunstwerk" entsprach der Realität. Wir erlebten am Bildschirm ein bekanntes Filmszenarium, in unserem Gehirn wurden Hollywood-Mythen abgerufen, was wir sahen, war eine „mediale Inszenierung", eben ein Kunstwerk.

Nur damit war es aber auch genau das, was alle Kommentatoren zu sehen glaubten, was sie als bizarres Déja vu zu erleben meinten, nur eben in letzter Konsequenz nicht zu denken und schon gar nicht zu schreiben wagten. Um nicht auch noch „denken" zu müssen, was sie da sahen, spannten sie vor dem Denken einen Schutzschirm auf, indem sie sich in allen Artikeln gegenseitig versicherten, diesmal sei es aber „ECHT", - „REAL" -, gewesen, also keine Inszenierung.

Dabei übersahen sie, dass auch ihr „ECHT" nur ein medial Aufbereitetes war. Auch sie sahen nur auf Effekt geschnittene Bilder. Auch ihre Wahrnehmung der Ereignisse erfolgte über die Nachrichten- und Sondersendungen und auch sie kommentierten ein Produkt der Bewusstseins-Industrie, von der sie selbst ein Teil sind.

Klaus Theweleit weist darauf hin, dass die Eröffnung von Georg Seeßlen's Kommentar: „Etwas ist geschehen, von dem jeder mehr oder weniger deutlich begreift, dass da ein Zeitalter zu Ende gegangen ist, dass da eine neue Form von Krieg begonnen hat", so oder so ähnlich in ca. 450 von 500 von ihm ausgewerteten Kommentaren auftaucht.

Nicht die Wirklichkeit setzt unserem „Wollen" Grenzen, sondern das, was wir über diese Wirklichkeit „glauben". Das bestimmt unseren Erfahrungshorizont, diese Wirklichkeit wird „Kultur prägend" in unserem Denken zementiert.

Deshalb schickten auch fünf Tage nach dem Crash, am 16. September 2001, man sprach noch immer von über sechstausend Toten, die Nachrichtenredakteure von CNN einen Video-Clip des Anschlags auf die Twin Towers des World Trade Center in die endlosen Echokammern der virtuellen Wahrnehmung. Das Musikstück „New York" von U2, geschnitten auf die Bilder vom Attentat und dem Text von der historischen Titanic-Katastrophe und Bonos eigener „Midlife-crisis" wurden zusammengequirlt zu einem Werbeclip!

Klaus Theweleit schreibt, er sei damals ziemlich geplättet gewesen und hat sich gefragt, was passiert da? Wofür wird da Werbung gemacht? Für die Wiederholung der Ereignisse?

Die schlichte Antwort ist - JA, wie wir inzwischen täglich in den Medien lesen dürfen, denn „DIE Wirklichkeit" existierte nicht im „Gedacht werden" der Mainstream-Konsumenten.

Der erste, der das erkannte, war Platon (oder sein Lehrer Sokrates, oder ...?), er beschrieb diesen Vorgang, indem er Sokrates das berühmte Höhlengleichnis erklären ließ, immer noch die fundierteste Kritik unserer Medienwelt fast 2500 Jahre alt und immer noch hochaktuell.

Wir leben in und mit, wie in Platons Höhlengleichnis" verschiedenen „Realitäten". Sie unterscheiden sich, existieren aber gleichberechtigt und unabhängig voneinander. Ihre Unterscheidung in reale, visuelle, mediale, geträumte, halluzinierte, konstruierte etc. ist rein willkürlich, wie uns heute führende Neurobiologen nachweisen. Unsere aus der Tradition erwachsenen Vorstellungen von dem, was Geist, was Bewusstsein oder für viele, was Seele ist, und wie sie sich im Gehirn organisieren, wird von der Neurowissenschaft seit den letzten Jahren versucht immer wieder neu zu beantworten.

Die Herstellung und Verschiebung von „Realitäts-Relationen" dient der Absicherung und Erhaltung von Macht. Ökonomischer und damit politischer Macht. Die Aufgabe der Massenmedien besteht darin, diese Realitäts-Relationen zugunsten und im Interesse der jeweiligen nationalen Elite zu festigen bzw. zu verschieben. Realitäts-Relation ist nichts anderes, als „gesellschaftlicher Glaubens-Prozess", Volkes-Stimme, oder die geistige Lufthoheit, vereint unter der National- Flagge, über den Stammtischen.

Denn, "um die Machtausübung zu bewahren, ist es notwendig, sich zu gewissen Zeiten des Terrors zu bedienen", befand schon der berühmte Staatsphilosoph Niccolo Machiavelli im 16. Jahrhundert.

Dass da ein Zeitalter zu Ende gegangen ist, dass nach dem 11.9. eine NEUE Form von Krieg begonnen hat, wie uns weltweit die Kommentatoren einreden wollen, stimmt SO einfach nicht, wenn der Patriotismus schon immer die letzte Zuflucht für den Schurken war, wie uns Norman Mailer eingangs belehrte, dann ist auch diese Zuflucht nur ein Schachzug im uralten Spiel um die Macht. Nur diesmal wurde das Stück halt in der technischen Umsetzung unserer Zeit aufgeführt, eben als Mainstream-Realität direkt aus Hollywood. „Wag The Dog“ als Endlosschleife.

Wer Lust hat weiter zu lesen: Der 11. September 2001. Weltweite Forderungen nach neuen Untersuchungen und sofortiger Amtsenthebung von Bush und Cheney

http://www.911video.de/news/030808/