Geschwurbeltes statt Abendbrot
„Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken!“ paukte schon W. Neuss seinen Besuchern im Exil ins Bewusstsein. Noch ist es nicht soweit, mit dem Exil mein ich, obwohl eine eigene Meinung inzwischen schon wieder als Luxusartikel gehandelt wird und da kommt dann halt so eine selbst gebastelte Bewusstseinsindustrie, auch blog genannt, doch billiger. Do it yourself liegt außerdem voll im Trend, es wird also echt Zeit, dass sie auch mal wieder ihre Meinung renovieren und ihre Gedanken etwas aufpeppen.
Beim umdekorieren ihrer Synapsen sollten sie mit etwas übersichtlichem Anfangen, am besten sie basteln sich so zum Einstieg etwas Philosophisches. Legen sie einfach eine schwere, dunkle Decke über den Küchentisch und bevor sie jetzt da rein kriechen, besorgen sie sich noch schnell eine Kerze, benutzen sie dann ihre 5 Finger und zaubern sie ein reizendes Schattenspiel in ihrer Höhle auf die Deckenwand. Damit sind sie ab sofort stolzer Besitzer der fundamentalsten und aktuellsten Medienkritik die bisher formuliert wurde, von Platons Höhlengleichnis. Glückwunsch!
Wenn Sie jetzt auch noch ihre Lebensabschnittspartnerin überreden können, mit unter die Decke zu schlüpfen, dann ahnen sie, was der olle Zbigniew Brzezinski mit dem Begriff Tittytainment gemeint hat, kündigen sie sofort ihren Mitgliedschaft in der coach potato Fraktion und steigen sie als Mitglied bei der Gilde der Tellerwäscher ein, früher nannte man diese Leute noch Muckraker und starten sie eine Karriere als blogger.
Ich meine, gerade jetzt, wo das Küchenlatein durch das geistige Fast-Food vom Aussterben bedroht ist, da wäre es doch echt schade um die schönen Beiträge, die sie der Menschheit vorenthalten, jeder SPD-Ortsgruppenkassierer wäre heute schon froh wenn er nur die Hälfte davon als Mitglieds-Beiträge kassieren dürfte und solche Beiträge gibt es auch hier, sogar wöchentlich, statt nur einmal im Monat, wie die Partei-Beiträge.
Ich glaube ja noch immer fest an die Riester-Rente, deshalb habe ich auch den Hanfstrick für den Notfall schon mal aufgeraucht und ich hoffe, dass sich Mama Nationale weiterhin gut um die Pflegeversicherung kümmert, denn bei mir geht es jetzt an die Matratze.
Nur das Volk, das soll übrigens den Gürtel wieder enger schnallen, denn beim neuen SPD-Vorsitzenden hält die Hose auch ohne Gürtel. Das nennt sich dann sozialistische Verzichtspolitik. Diese Art des symbolischen Handelns soll, als kleines Opfer an die eigene Glaubwürdigkeit, bei den Medien gut angekommen sein.
Parteibuchverbrennen entwickelt sich in dieser Saison zur neuen Trendsportart, aber achten Sie bitte darauf, dass immer ein Wasserwerfer in der Nähe steht.
Von wegen robuster Stabilisierungseinsatz, Angie redet so lange nicht vom Krieg, bis sie sicher ist, dass sie für seine Beendigung beim nächsten mal den Friedensnobelpreis bekommt. Bis dahin bomben wir da aber noch etwas rum, aber nur so zu Demonstrationszwecken, um auch die letzten Skeptiker im Nobel-Komitee davon zu überzeugen, dass Mama Nationale ihn beim nächsten mal auch echt verdient hat. Bei Kissinger hat das damals auch geklappt, und was dem einen sein Chile ist unserem Guido sein Honduras, früh übt sich was ein elder statesmen werden will.
Sie sollten endlich mal zur Kenntnis nehmen, dass der Körperumfang eines SPD Parteivorsitzenden nur sein persönlicher Ausdruck einer Verkörperung des Allgemeinwohls ist. Danke!
Die CDU hatte mit diesem Konzept unter Kohl blendende Wahlergebnisse eingefahren, die Höhe der Stimmen ist dagegen nicht so entscheidend, denn bei einer tief stehenden Sonne wirft selbst ein Liliputaner noch lange Schatten.
Böse Zungen behaupten zwar, die SPD sei nur noch ein Schatten ihrer selbst, aber ich kann sie da beruhigen, die Partei ist sich absolut treu geblieben und das seit der Zustimmung zur Kriegsanleihe im Jahr 1914. Früher musste immer erst ein Krieg inszeniert werden, um an das Geld der Arbeiterklasse zu kommen, das war dann Keynesianismus für Anfänger, aber inzwischen ist die Zivilisation auch im Westen weiter fortgeschritten, heute gibt es den Keynesianismus für Fortgeschrittene, das ist, wenn die Bevölkerung die Banken lieber gleich direkt finanziert in der Hoffnung das noch etwas Butter übrig bleibt, weil man sich den Umweg über die Produktion der Kanonen spart.
Robuste Stabilisierungseinsätze fallen allerdings dabei unter Friedenssicherung und deshalb ist die SPD auch dafür, dass die über 3 Milliarden für den Puma als Entwicklungshilfe verbucht werden.
Auch als 1929 die Arbeiter wieder mal auf die Straße gingen, da lag dann der Munitionsverbrauch der Truppe des Berliner SPD Polizeipräsidenten Karl Friedrich Zörgiebel nach amtlichen Angaben bei etwa 11.000 Schuss, aber glücklicherweise haben davon nur 33 tödlich getroffen und 198 leicht versetzt, so dass immerhin noch 1.228 Personen für die Verhaftung übrig blieben. Dieser Traditionslinie blieb die Partei auch noch 1967 in Treue fest verbunden. „Die Verhafteten haben sich nicht beklagt. Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm.“
Aber nicht die langen Schatten der Vergangenheit, sondern der Schatten des Vorsitzenden symbolisiert heute wieder die Seele der Partei, da sein Schattenwurf die ganze Partei unter sich vereinigen soll, deswegen bevorzugen auch kleine Vorsitzende immer Sonnenauf- bzw. -untergänge, um eben genau diese Seele zu retten, dazwischen steht dann der Sachzwang im Zenit und danach ist es eh wurscht ..., denn zum schönsten was zwischen Mensch und Schattenwurf wachsen kann, zählt nun mal zweifellos die Distanz.
Falls Sie heute schon mal probehalber selber einen Beitrag für einen blog tippen sollten, die Sache mit dem Tittytainment können sie auch noch morgen weiter üben, dann versuchen Sie unbedingt das Wort WERT einzubauen, achten Sie mal drauf, dass tippt sich auch mit einem Finger ganz leicht, mit dem Mehr davor wird es dann schon wieder so kompliziert, dass die meisten Leute gleich ganz darauf verzichten.
Peter Sloterdijk, das ist die Tittytainment Ausgabe von Ossietzy für FAZ-Leser, der würde jetzt den Einbruch der Binnennachfrage an der Tastatur festmachen und sofort erkennen, die gebende Hand war gestern, denn der Finger ist heute und der tippt bis er bricht … oder bis wir alle fünf gerade sein lassen, damit sie sich als Faust krümmen können … Apropos Faust: Matthias Mathussek vom EhNaMag betreibt ein KPD-Revival, aber voll Undercover, unter Klassik-Partei-Deutschland.
Falls Sie der SPD, nur so zur Rettung ihres sozialen Seelenheils, nahe legen sollten, zum Quantensprung an zu setzen, dann sollten Sie aber vorher den Schmalztopf entfernen. Wenn auch nur gedanklich. Schirme können sie dagegen vergessen, denn wenn die SPD springt, kann man noch bequem drüber steigen.
Außerdem ist ein Quantensprung die kleinstmögliche Zustandsänderung in einem System, nur wenn jetzt der Gabriel springt, das verkörperte Allgemeinwohl, frisch gedopt vom Seeheimer Kreis, dann besteht nur leider immer die Gefahr, dass er im Schmalztopf landet und dann zur Pirouette ansetzt und dann spritzt es doch .....also behalten sie die Schirme.
Ach so, bringen Sie doch mal bei Gelegenheit auf jedes Mitglied im SPD-Ortsverein in ihrer Nachbarschaft einen Toast aus, das kennen Sie doch noch von Sylvester, „The same procedure as every year, Steini?“
Keine Angst, Koma-Saufen war gestern, heute werden Sie mit der Nummer Ehrenmitglied bei den "Anonymen Alkoholikern".
Zum Schluss noch was Staatstragendes, Heidegger, der zeitweilige Lebensabschnittsgefährte von Hanna Arndt, sie ging ins Exil und er bereitete sich auf die Rolle beim GröFaZ vor, die Leo Strauss dann später als Guru bei den Neocons spielen durfte, also dieser deutsche Philosoph, der erkannte schon sehr früh: „ Wer in der Piss-Rinne liegt, sollte nicht auch noch gegen den Strom schwimmen wollen um an die Quelle zu kommen.“


