So nicht, Herr Ackermann!
Das Original der Telekom flimmert schon seit geraumer Zeit über die Bildschirme und erinnert die Kleinaktionäre des Konzerns daran, wie einst ihre Sparbücher die große Schwindsucht bekamen und sich entleerten, bei dem fruchtlosen Versuch ihrer Besitzer es, in der Hausfrauen-Rallye beim großen Telekom-Börsenspiel, doch noch zum Millionär zu bringen.
Jetzt hat die Familie Ackermann ein Spoof des ursprünglichen Entleerungs-Spots produziert. Für alle, die sich nicht so ganz mit dem neudeutschen Marketing-Slang auskennen: ein Spoof ist eine Parodie oder eine Neuinterpretation von etwas, dass schon fest in den Köpfen der Konsumenten verankert ist.
Natürlich distanzieren sich die COMfactory News auf das Schärfste und natürlich auch auf das Entschiedenste von diesem unterhalb der Gürtellinie spielenden und damit geradezu geschmacklosen, wenn auch nicht geruchlosen Machwerk, das zum Web-Himmel stinkt.
Hier wird ein allgemeines menschliches Grundbedürfnis zu Propagandazwecken schamlos missbraucht. Entrüsten sie sich mit mir und gönnen sie auch ihrem Bekanntenkreis das schöne Gefühl allgemeiner Abscheu. Ziehen sie jetzt gleich die Notleine und spülen sie diesen wirklich üblen Clip einfach ihrem Nachbarn auf den Bildschirm:
Ganz Deutschland kackt sich leer
So etwas bezeichnet man(n, Frau auch) als "Circular Entertainment" und nach einer von Nokia in Auftrag gegebenen Studie wird schon in 4 Jahren 25% der Unterhaltung in so genannten "communities" erschaffen und auch konsumiert. Das so genannte und die Gänsefüßchen kennen sie als Berliner bestimmt noch. Denn genauso wenig wie das eine ein real existierender Sozialismus war, sind das andere Communities. Aber geschenkt!
Freuen sie sich lieber, denn wir alle führen schon bald ein "Immersive Living" behauptet die Nokia-Studie weiter und da sind dann alle Grenzen zwischen dem wahren Leben und dem virtuellem, also dem online Leben eh verschwunden und damit natürlich auch das menschliche Grundbedürfnis auf Entleerung.
Aldous Huxley konnte, als er 1932 seine "Schöne Neue Welt" schrieb, wirklich noch nicht ahnen, was da so alles auf uns zukommt. Sitzt Herr Ackermann, statt auf einem stillen Örtchen, demnächst als Mustafa Mannesmann auf einem medienumbrandeten Ort? Erledigt er statt hier, dann da, im Weltaufsichtsrat, seine kleinen Geschäfte? Oder entsteht hier mit Herrn Ackermann gerade eine neue Poster-Ikone der Gegenkultur, die, wie einst der legendäre Frank Zappa auf seiner Klo-Schlüssel, demnächst die Zimmer unschuldiger Backfische heimsucht? Aber soweit darf es erst gar nicht kommen, setzen auch sie diesem Treiben ein entschlossenes: "So nicht, Herr Ackermann!" entgegen und verhüten Sie mit uns den Untergang des guten Geschmacks.


