Russisch Roulette mit Hasardeuren

"Petting statt Pershing !"
Denn der Mensch ist zu allem fähig, warum also nicht auch zum Frieden?
Nicht nur der amerikanische Mainstream folgt einer eigenen Dramaturgie, nicht nur er braucht ein klares Feindbild. Diese Art von Dramaturgie, die Einteilung der Welt in Gut und Böse war über 45 Jahre lang jeden Abend auf den Bildschirmen präsent. Unter dem Deckmantel des "Kalten Krieges", des Kampfes gegen den Kommunismus wurden weltweit soziale Reformbewegungen bekämpft und Diktatoren installiert. Natürlich immer im Namen der Freiheit, für den nordamerikanischen Medienkonsumenten stand stets nur die Rettung der Demokratie als eine Art von krönendem Happy-End auf dem Spielplan. "Wag the dog" als Endlosschleife.
Hintergründe zu den georgischen Angriffsplänen hat die US-Presse am Montag, den 18. August, enthüllt. Demnach legten georgische Militärs bereits im Januar ein "Operationskonzept" vor, das den Einmarsch in Südossetien und Abchasien vorsah - entgegen den Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens. Der Einmarsch sollte binnen kürzester Zeit erfolgen und die russischen Truppen, die zur Sicherung des Waffenstillstands in Abchasien und Südossetien stationiert sind, überrumpeln. Über das Konzept fand ein Austausch mit US-Stellen statt. Den amerikanischen Berichten zufolge warnte Washington Tbilisi vor der Umsetzung der Pläne wegen Moskaus militärischer Überlegenheit. (New York Times vom 18.8.) Ob die Regierung Bush diese Warnung tatsächlich bis zum Schluss aufrecht erhalten hat, wird von Beobachtern aus einigen Gründen bezweifelt, denn zahlreiche US-Militärberater (einige Quellen sprechen von bis zu 1000) hielten sich bei Beginn der Kämpfe noch in Georgien auf; unter anderem wegen eines gemeinsamen Manövers, dass erst kurz vor der Einäscherung der südossetischen Stadt Zchinwali - beendet worden war, und auch die Rückführung des georgischen Kontingents aus dem Irak - natürlich mit US-Transportmaschinen - wurde generalstabsmäßig und in kürzester Frist bewältigt.
Es war der US-Präsident George Bush senior, der dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow nach der deutschen Einheit versprochen hatte, die NATO werde sich nicht nach Osten ausdehnen. Im Vertrauen auf dieses amerikanische Versprechen sollten die damals noch sowjetischen Truppen aus Ostdeutschland abziehen. Gorbatschows Nachfolger Jelzin hielt sich daran. Aber Bushs Nachfolger Clinton sorgte - flankiert von einer Koalition der willigen NATO-Partner - 1993/94 mit der "Partnerschaft für den Frieden" für das Vorstadium einer NATO-Osterweiterung. Diese Politik hat mit der Paraphierung des Vertrages über die Stationierung von US-Patriot-Raketen in Nordpolen gerade einen weiteren Höhepunkt erreicht.
Friedens- und Entspannungspolitik im Sinne von Willy Brandt sieht anders aus. Europa droht bei dieser, in erster Linie der amerikanischen Innenpolitik geschuldeten Konfrontationspolitik, die mit einem medial wieder belebten Feindbild von ihren hausgemachten ökonomischen Schwierigkeiten ablenken soll und sich dabei auch der antirussischen Obsessionen Polens bedient, seine eigenen Interessen zu verspielen.
Erdöl und Gas kann man auch kaufen, und die "Freiheit ist zuweilen auch die Freiheit der anders Handelnden. Das vom Westen so gern reklamierte Selbstbestimmungsrecht der Kosovo-Albaner kann nicht mehr wert sein als das Selbstbestimmungsrecht von Südosseten und Abchasen, nur weil es dort ins Kalkül von EU und NATO passt und hier nicht," schreibt Lutz Herden in der Wochenzeitung Freitag vom 22.8.
Die "wahren" Gründe für die steigenden Benzinpreise
Schon gehört: Die Preise für Rohöl fallen und fallen. Aktuell sind wir bereits 20% unter den Preisen von Monat Mai! Und was machen unsere freundlichen Benzinpreise - sie steigen! Die COMfactory erklärt ihnen heute, warum das so ist:
1. Die OPEC-Länder steigern ihre Produktion:
- der Benzinpreis steigt.
Dies ist auf grundlegende ökonomische Gesetze unserer Marktwirtschaft
zurückzuführen: Die gestiegene Nachfrage nach Tankerkapazität
verteuert die Frachtraten überproportional.
2. Die OPEC-Länder drosseln ihre Produktion:
- der Benzinpreis steigt.
Das ist ökonomisch bedingt: Das Angebot sinkt bei gleich bleibender
Nachfrage, damit wird die Ware teurer.
3. Im Nahen Osten herrscht vorübergehend Waffenruhe:
- der Benzinpreis steigt.
Die Ruhe ist trügerisch, die Lager werden vorsorglich aufgefüllt. Die
zusätzliche Nachfrage erhöht den Marktpreis.
4. Im Nahen Osten wird gekämpft:
- der Benzinpreis steigt.
Hamsterkäufe erhöhen die Nachfrage und damit den Marktpreis.
5. Die Verbraucher sparen:
- der Benzinpreis steigt.
Der Minderverbrauch sorgt dafür, dass die Raffinerien weit unterhalb
ihrer Kapazität produzieren müssen. Dies erhöht den Einheitspreis
(Kosten pro Liter), den in einer Marktwirtschaft die Konsumenten zu
tragen haben.
6. Die Verbraucher sparen nicht:
- der Benzinpreis steigt.
Die Ölgesellschaften erfüllen eine lebenswichtige Funktion in der
Martkwirtschaft: Durch Preiserhöhungen wirken sie einer noch größeren
Abhängigkeit vom Erdöl entgegen.
7. Die Verbraucher weichen auf Substitute aus:
- der Benzinpreis steigt.
Die Verbundproduktion der verschiedenen Erdöl-Derivate kommt
durcheinander. Das erhöht die Kosten pro Liter.
8. Die Spree führt Hochwasser:
- der Benzinpreis steigt.
Die Versorgungslage wird prekär. Vorsorgebestellungen erhöhen die
Nachfrage und damit logischerweise den Marktpreis.
9. Die Spree führt Niedrigwasser:
- der Benzinpreis steigt.
Die Schiffe können nur zu einem Drittel ihrer Kapazität beladen
werden. Die dadurch erhöhte Fracht pro Tonne Ladegut verteuert die
Ware.
10. Die Spree führt Normalwasser:
- der Benzinpreis steigt.
Kaum 25% des eingeführten Benzins erreichen Deutschland auf dem
Wasserweg. Für die Kalkulation spielt daher die Situation auf der
Spree eine geringe Rolle.
11. Der Dollarkurs steigt:
- der Benzinpreis steigt.
Alle Erdöl-Kontakte werden in Dollar abgerechnet. Die Konsequenzen für
den Preis in Euro liegen auf der Hand. In einer freien Marktwirtschaft
wirken sich alle Änderungen sehr schnell aus.
12. Der Dollarkurs sinkt:
- der Benzinpreis steigt.
Längst nicht alle Abschlüsse auf dem für Deutschland maßgebenden
Spotmarkt in Rotterdam werden in Dollar abgewickelt. Im übrigen dauert
es immer eine gewisse Zeit, bis sich Änderungen beim Verbraucher
auswirken.
13. Die Lager sind randvoll:
- der Benzinpreis steigt.
Große Lagerbestände drücken auf die Gewinnmarge. Die Filialen der
großen Erdölkonzerne leisten freiwillig einen unschätzbaren Beitrag
zur Landesversorgung in Notzeiten. In einer freien Marktwirtschaft ist
es nur natürlich, dass sich die Konsumenten an den hohen Kosten dafür
beteiligen.
14. Die Lager sind leer:
- der Benzinpreis steigt.
Die hohen Lagerverluste wurden bisher stets von den
Erdölgesellschaften zu Lasten ihrer Erfolgsrechnung getragen. Das ist
nicht mehr länger möglich.
15. Der durchschnittliche Reingewinn der großen Erdölkonzerne ist
gegenüber dem Vorjahr um 380% gestiegen:
- der Benzinpreis steigt.
Die Zahlen ergeben ein unvollständiges Bild. Im Benzingeschäft allein
sieht die Lage schlecht aus. Vereinzelt entstanden sogar Verluste, die
von den anderen Abteilungen getragen werden mussten.
16. Der durchschnittliche Reingewinn der großen Erdölkonzerne ist
gegenüber dem Vorjahr kaum gestiegen:
- der Benzinpreis steigt.
In einer freien Marktwirtschaft kann ein Produzent nur mit einer
angemessenen Umsatz-Marge existieren.
17. Ein OPEC-Mitglied stoppt infolge innerer Unruhen sämtliche Exporte:
- der Benzinpreis steigt.
Das Angebot auf dem Weltmarkt hat sich verringert. Die Preise
reagieren entsprechend.
18. Ein OPEC-Mitglied nimmt seine Ausfuhren wieder auf:
- der Benzinpreis steigt.
Die seither eingetretene Inflation wurde entgegen den Gesetzen einer
freien Marktwirtschaft von den Konzernen aufgefangen. Das kann nicht
ewig so weitergehen.
19. Neue Erdölvorkommen werden entdeckt:
- der Benzinpreis steigt.
Es gibt viel zu tun, packen wir's an. Um die Versorgung in der Zukunft
zu sichern, müssen heute gewaltige Investitionen getätigt werden. Die
Prokuktionskosten werden ständig höher.
20. Bisherige ergiebige Ölfelder erschöpfen sich:
- der Benzinpreis steigt.
Es wird immer schwieriger und teurer, der unverminderten Welt-
Nachfrage nach Öl gerecht zu werden.
21. Zwei Erdölkonzerne fusionieren:
- der Benzinpreis steigt.
Der Zusammenschluss ist ein Signal dafür, dass bei den gegenwärtigen
Preisen das Überleben einzelner Gesellschaften nicht mehr
gewährleistet ist.
22. Zwei Erdölkonzerne fusionieren nicht:
- der Benzinpreis steigt.
Der von den staatlichen Aufsichtsstellen abgelehnte Zusammenschluss
verhindert beträchtliche Rationalisierungs-Vorteile. Die Konsequenzen
hat der Konsument zu tragen.
Die fNM-Story
Wir schreiben das Jahr 1975 …
Zwei Studenten der FU-Berlin (im Fachbereich Publizistik und Theaterwissenschaft) treffen sich bei einem Seminar, entdecken ihr gemeinsames Interesse für Musik und beschließen - nach nur kurzer Zeit und als eine Art "Fingerübung" - eine Zeitschrift heraus zu bringen, die sich alleine dem Musikgeschehen Berlins widmet. Es beginnt eine spannende Suche nach idealistischen Mitstreitern, die bereit und verrückt genug sind, ohne Honoraransprüche bei diesem Projekt mitzumachen.

Bei der Namenssuche wird aus der Not eine Tugend gemacht und es erscheint - im Januar 1976 - die erste Ausgabe der "fast-NURMUSIK".
Die "Redaktion" befindet sich in dem Bezirk, in dem sich zu dieser Zeit (auf damals noch West-Berlin/Westberlin bezogen) die Szene entwickelt: in Kreuzberg. Hier wird Anfang der 70er Jahre die erste Selbsthilfeorganisation für Musiker ("Berliner Musiker Initiative") als Verein gegründet. Hier entsteht
(in einem Teil der Wrangelkaserne) das erste Übungsraum-Zentrum. Hier finden Künstler (nicht nur Musiker) preislich akzeptable Ateliers und Übungsräume und in der Dresdener Strasse 125 - zunächst in einer privaten Wohnung, ab der dritten Ausgabe dann in einer Ladenwohnung - versuchen wir
einen Teil zur Musikgeschichte Berlins beizutragen. Die Treffpunkte und Themen liegen oft fast direkt vor der Nase und wenn man (fast) Mitte 20 ist, siegt der Enthusiasmus in der Regel noch über den Erfolgsdruck.
Man sammelt in erster Linie einen Haufen von Erfahrungen: bei der redaktionellen Arbeit, beim Umgang mit Menschen, im Team, im musikalischen und zwischenmenschlichen Bereich, mit Anzeigenkunden und Akquisiteuren (man braucht ja schließlich auch "Knete"), Veranstaltern, Druckereien, der Plattenindustrie und, und, und …
Die hierbei (zu Rezensionszwecken erhaltenen Tonträger bilden später (nur das wissen wir noch nicht) den Grundstock des Tonarchivs des BRPA.
Und "so ganz nebenbei" wird irgendwie noch weiter studiert.
Die erste Ausgabe erscheint in einer Auflage von (bescheidenen) 1000 Exemplaren (später werden es 3000) wird noch selber "verteilt" und findet positive Zustimmung (was uns natürlich Mut gibt, weiter zu machen). Sie wird vorrangig an Auftrittsorten
(wie z.B. dem Quartier Latin und dem Quasiomodo) "feilgeboten".
Ein Schelm, wer glaubt, nur positive Reaktionen zu erhalten.
Als erster "reagiert" ein (durch sein Germanistik-Studium wohl vorbelasteter) "Kollege" vom "tip" und verreißt das Ganze öffentlich. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Danke, Olaf, einen besseren PR-Gag hätten wir uns selber nicht einfallen lassen können.

Wodurch auch immer begründet, steht im Februar ein junger Franzose bei und in der Redaktion: Laurent Berthet, gerade "zu Gast" in Berlin. Von Beruf Lithograf, bietet er uns einige Cartoons honorarfrei zur Veröffentlichung an. Wir sind sowohl von den Cartoons, als auch von seiner Großzügigkeit und freundlichen Art überwältigt. Für die weiteren Ausgaben unseres Magazins erhalten wir von ihm insgesamt 28 Cartoons die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind.
Natürlich lebt man mit der Idee, etwas Neues aufzubauen, nicht alleine. Der Springer-Verlag geht im gleichen Jahr mit seinem Musik-Joker bundesweit an den Start und - man möchte es kaum glauben - sein Vertrieb reagiert extrem aggressiv auf den kleinen "Konkurrenten": das Nebeneinander der Blätter wir nicht akzeptiert und teilweise werden die Zeitschriftenhändler bedrängt, die "NURMUSIK" eher unter dem Ladentisch zu verkaufen.
Als im September unser Anzeigenakquisiteur mit den Einnahmen spurlos verschwindet, hat uns die Realität gnadenlos eingeholt. In den nächsten drei Monaten versuchen wir die Schulden abzutragen und das ganze Projekt wenigstens so sauber abzuwickeln. Im Dezember tragen wir dann - nach 12 Ausgaben - unseren kleinen Traum zu Grabe.

32 Jahre sind inzwischen vergangen, einige "Mitstreiter" inzwischen auch verstorben und der "Rest der ganzen Bande" hat sich (fast) komplett aus den Augen verloren. Es ist also an der Zeit, noch einmal allen Beteiligten zu danken:
Klaus Hemme, Jürgen "Justus" Just, Reinhard "Wurzel" Stey, Christian Graf, Hanno Transchel, Werner Kaese, Pete Bewers, Martin Gietz, Peter Görres, Christian Müller, Norbert Wirth, Peter Donisch, Hansdieter Grünfeld, Dolf Knispel/Christian Kneisel, Peter Grohs, Hans Kretzmann und Peter "Tanky" Bischoff
Ein besonderer Dank gilt Laurent Berthet, dem wir die kleine Ausstellung vorrangig widmen - auch in der Hoffnung, dass er (genauso wie die anderen Beteiligten) irgendwie Notiz davon nehmen kann.
Berlin im August 2008
Lutz T. Manthe



