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Die Bananen-Justizianer - oder alles Chiquita



Schon damals, 96-53 v.Chr., bei Lukretz, war alles Chiquita!

Dieser bedeutendste Vertreter Epikurs, der den freien Willen als eine Selbsttäuschung des Bewusstseins zurück gewiesen hat und damit zum Vorläufer der modernen Neurobiologie und zum Kritiker von Brainwashington wurde, dieser Lukrez kämpfte auch für politische Volksaufklärung. Seine auf Epikur beruhende naturwissenschaftliche Weltbeschreibung entzog "den Göttern" ihre Rechtsprechung und machte das Wort Freiheit zu einem Prestigebegriff, der sich im Alltagsdenken und in der Wissenschaft täglich neu zu legitimieren hatte.

So vergleicht er Sisyphos mit dem Volk, das ständig bemüht ist, sich Beil und Rutenbündel, das Liktorenbündel, das Machtsymbol des Römischen Imperiums, zu Erstreiten, aber es nie erhält.

"Denn stets zu begehren die Herrschaft, welche man nicht erhält und stets zu verfehlen den Endzweck, immer jedoch die drückende Last dieser Herrschaft zu tragen, heißt das nicht bergan den Fels mit strebender Arbeit wälzen, welcher jedoch, sobald er den Gipfel erreicht hat, wieder zurückrollt, die Fläche der Ebene suchend ..."

Für Lukrez war die Idee einer Bestrafung und einer Gerechtigkeit, außerhalb des vom Volk staatlich institutionalisierten Rechts, abzulehnen. Dieses jenseitige Recht, diese göttliche Weisheiten, auf die sich neuerdings wieder von George Busch bis zu John McCains "running materess" (rasender Matratze, [Bröckers] ) Sarah Palin, alles beruft, zeigte für ihn nur geradezu spiegelbildlich, wo die jeweilige Kultur es versäumt hatte, ihre sozialen Probleme zu lösen.

Das Beil und das Rutenbündel ziert heute das Siegel des neuen Imperiums. Der US-Senat schmückt sich mit dem Liktorenbündel und verweist das Volk, das als Latinos den Hinterhof (Patio ) bewohnt, wieder auf eine göttliche Gerechtigkeit und setzt das Recht der Konzerne über das Recht des Volkes auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit, dieser "Prestigebegriff", der sich laut Lukrez täglich neu zu bewahrheiten hat.


 

Also nichts Neues seit Rom, über 2000 Jahre Bananenrepublik, über 2000 Jahre alles Chiquita.

Der Bananenhandelskonzern sorgte mit seinen jahrelangen Unterstützungszahlungen an rechtsgerichtete Milizen in Kolumbien dafür, dass das Morden dort munter weiter ging. Tausende von Kolumbianern, die sich für Demokratie, Bildung und soziale Gerechtigkeit einsetzten und damit den Kampf von Lukretz fortsetzten, wurden mit der Hilfe von paramilitärischen Milizen, die die Interessen der neuen Imperatoren, die US amerikanischen Konzern-Interessen, schützten, liquidiert.

Kein Wunder also, dass sich der kolumbianische Innenminister Carlos Holguin vom Justizsystem der USA getäuscht fühlte, wurde doch keiner der Verantwortlichen bei Chiquita zu einer Haftstrafe verurteilt. Und so machen sich die zahlreichen Menschenrechtsgruppen in Lateinamerika erneut auf, wie einst Sisyphos, das Liktorenbündel und damit das Recht zu Erstreiten.