comfactory

        Ihre kreative Basis in Berlin







Im Reich der lebenden Toten



Vor zwei Jahren sorgte der Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mit seinem Victory-Zeichen im Mannesmann Prozess noch für einen moralischen Sturm im Wasserglas. Selbst der Auslagerung von hochqualifizierten Jobs in die neuen Verwaltungszentren, die in Indien entstanden waren, wurde ihm medial verziehen, präsentierte er doch damals für die ersten neun Monate des Jahres 2006 einen Rekordgewinn von 6,3 Milliarden Euro vor Steuern. Josef Ackermann, war als globaler Player, der nur noch weniger als 30% seines Geschäftes in Deutschland tätigt und der die von ihm vorgegebene Eigenkapitalrendite von 25 Prozent nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen hatte, auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Als Master of the Universe wies Josef Ackermann, für 2007 eine stolze Bilanzsumme von 2020 Milliarden Euro aus. Er war Herr über 78.300 Mitarbeiter und unterhielt über 1000 Niederlassungen. Der Börsenkurs der Deutschen Bank schwankte im Mai/Juni 2007 mit 117,- Euro um seinen Höchststand und kaum 2 Jahre später erklärt ihn und seine Bank der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview zu einem Zombie, zu einem lebenden Toten. Was für eine Karriere!

„Viele der Banken des westlichen Finanzsystems sind praktisch pleite. Fast jede Anlage in der Welt - abgesehen von Staatsanleihen - hat in dieser Krise zwischen 30 und 50 Prozent an Wert verloren. In den Schwellenländern 70 Prozent. Diese Banken sind im Prinzip Zombies, lebende Tote. Der einzige Grund, warum Sie nicht reihenweise insolvent gehen, ist, weil sie Papiere reihenweise nicht zu Marktpreisen bilanzieren - weil sie sagen, es gebe derzeit gar keinen Markt dafür,“ erklärte Niall Ferguson im Spigel-Interview.

Dabei weist die Deutsche Bank eine Eigenkapitalquote von 34 Milliarden Euro aus, viel Cash für eine Pleite. „Nur“, der Börsenwert liegt mit 12 Milliarden weit unter dieser Quote, die Aktie notiert um die 20 Euro und hatte mit 16,88 Euro gerade ihren Tiefststand erreicht und die Schuld an dieser Differenz, zwischen Eigenkapital und Börsenwert, tragen die heute illiquiden Wertpapiere im Giftschrank der Bank.

Es waren diese Papiere, die wegen ihres hohen Risikos zu den Traumrenditen von 25% führten und den Wallstreet-Gurus damit Ihre phantastischen Milliarden Boni bescherten. Heute verunzieren sie dafür als unverkäuflicher Schrott die Bilanzen. Die Banker sprechen natürlich lieber von „Level-3-Assets“ und diese sollen sich nach vorsichtigen Schätzungen bei der Deutschen Bank um die 92 Milliarden belaufen, also dem 3fachen der Eigenkapitalquote.

Kein Wunder, dass auch Josef Ackermann da lieber mit fiktiven Modellen rechnet und lieber zu hohe Preise für diese Papiere in den Büchern ausweist, die im Moment keinen Marktpreis haben und damit eigentlich nichts mehr Wert sind.

Das die viel beschworenen Gesetze der Marktwirtschaft, zu denen auch die Preisfindung über Angebot und Nachfrage gehört, und mit denen in den letzten Jahren jeder Sozialabbau als ökonomisch alternativlos verkauft wurde, jetzt plötzlich für die Hohepriester dieses Systems nicht mehr gelten soll, dass wollen viele Leute noch immer nicht wahrhaben.

„Diese Vorstellung ist tatsächlich zu erschreckend,“ meint Niall Ferguson, „denn die Hoffnung ist, dass man so viel Liquidität in die Märkte pumpt, bis die Preise für diese Papiere sich wieder erholen und mit denen in den Büchern übereinstimmen. Und dann leben alle glücklich weiter - nur das wird nicht passieren- und deshalb muss man die Dinosaurier sterben lassen."