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Jamaika



Die Insel wurde in den siebziger Jahren zu einer Projektionsfläche unerfüllter Wünsche der Kinder einer in erstarrten Konventionen gefangenen Wirtschaftswunder-Generation. Sie lies eine subkulturelle Linke vom weißen, warmen, weichen Strand unter dem harten, grauen Beton der entseelten Neubausiedlungen und der Versicherungs- und Bankenpaläste träumen.

Jamaica stand damals für eine fröhliche Schönwettermusik, Kifferberieselung, Bob Marley und für die tonnenweise gratis dazu gelieferte Systemkritik der Rasta-Bewegung, die es mit der Kurzformel „Babylon“ schaffte, dem ausbeuterischen Westen der Elterngeneration den Spiegel vor zu halten.

Die mythische und dramatische Geschichte des berüchtigten schwarzen Ghettos Trench Town, einst als Schlafstadt gegründet, berühmt für seine blutigen politischen Krawalle und Bandenkriege, wurde damals zur Aussteiger Kulisse verklärt. Denn auch der sich auf Sinnsuche begebende, dem alternativen Glück hinterher jagende, jugendliche, westliche Global-Reisende, schaffte es nur selten sein imperiales Phlegma zu überwinden und dem lokalem Respekt zu bezeugen.

Die Photos von Frank Brückner, die unter dem Titel Jamaica, im COMuccino, dem Bistro der COMfactory ausgestellt sind, schaffen noch diese zwischenmenschliche Nähe, die Fotografierten behalten ihre Würde. Die Zeiten, in denen sie dann nur noch als reine Folklore für den Massentourismus zu posieren scheinen, sind noch Jahre entfernt.


Dass die Rasta-Religion den Konsum von Marihuana verherrlichte, gar in den Mittelpunkt der Bewusstseinsbildung stellte und das Geld zur Wurzel allen Übels erklärte, passte zum Zeitgeist. 1973 wurde Bob Marley mit dem Album Catch A Fire zum ersten globalen Superstar aus der Dritten Welt. Mit seinen Songs: "I Shot The Sheriff", "Buffalo Soldier", "Stir It Up", "No Woman No Cry" oder "Get Up, Stand Up" wurde er für die Anhänger und Sympathisanten der Rastafari-Bewegung zu einer wichtigen Symbolfigur.

Dabei verkörpert Bob Marley für viele Bewohner in den Ghettos und das nicht nur der Dritten Welt, bis heute das Prinzip Hoffnung im Kampf mit den ökonomischen Machthabern, die meistens der weißen Oberschicht entstammen und er hält mit seinen Liedern die ewige Sehnsucht nach dem Paradies, nach der „Urheimat Afrika“ wach.