Den Linken ist das Kapital ausgegangen!
Mitten in der größten Finanzkrise seit 1929, immerhin einer Krise, die 23 Billionen Dollar Kapitalverlust an den Börsen der Welt brachte, stehen nicht nur die Banken sondern auch die Linke plötzlich ohne Kapital da. Während sich eine 57-Billionen-Dollar-Blase, entstanden vor allem durch spekulative Kreditversicherungen, zu platzen anschickt, fehlt es nicht nur auf dem Börsenparkett am Kapital. Die Weltrezession soll sich dramatisch verschärfen, schlagzeilt der SPIEGEL in dieser Woche, doch wo ist das Kapital geblieben?
Der weltweite Warenabsatz stagniert, aber eine Ware kann nicht geliefert werden. Der Besser-Esser der Spiegelredaktion, Ullrich Fichtner, sonst ständiger Zitate-Lieferant auf der Speisekarte des COMuccino, schreibt, statt übers Essen, diesmal an einem Wirtschaftskrimi und ein alter Herr hat plötzlich wieder Hochkonjunktur. Die Chronik eines Kapital-Verbrechens, die Fichtner verspricht, hieß bei diesen Herrn noch ganz schlicht „Kritik der politischen Ökonomie“ und sein Standardwerk, „Das Kapital“, ist restlos ausverkauft.
Im gesamten Jahr 2005, als auch die Banken noch über genug Kapital verfügten, ging der Klassiker von Carlos mal gerade 500 mal über den Ladentisch, jetzt versuchen die Finanzjongleure des Shareholder Value zwar ohne, aber dafür mit dem Kapital ihr eigenes System zu verstehen.
„Verkauft sich Marx gut, geht es der Gesellschaft schlecht,“ sagte der Geschäftsführer des Berliner Karl-Dietz-Verlages, Jörn Schütrumpf. „Wenn er sich aber verkauft, dann weiß man, dass man vom Elend der anderen profitiert.“
Aber am Elend anderer verdient, das haben die „skrupellosen Zocker, die einfallsreichen Jongleure und die düsteren Propheten, die am Tatort Finanzmarkt einen Krimi inszeniert haben, der die Welt verändert,“ wie der Spiegel schreibt, schließlich vorher auch.



