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Lakaien des Mainstream

Das "Sich-in-den-Zeitwind-Legen" ist ja selten ein bewusster Akt. Was mich an den Lakaien des bundesrepublikanischen Mainstream wundert, ist, dass sie es anscheinend freiwillig tun. Eingereiht in die Kaste der Meister, die in der Kunst der zwanglosen Anpassung an die Rhetorik der politischen Betroffenheit brillieren, die Bewusstseins-Produzenten, die die herrschende Richtung, wie sie von der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" vorgebetet wird, gekonnt umsetzen, hat sich auch Thomas Roth von der ARD.

Sein Interview mit dem russischen Ministerpräsidenten Putin wurde nicht nur einfach zusammengeschnitten, sondern bewusst verfälscht. Die deutlichen Aussagen Putins passten dem bundesrepublikanischen Mainstream nicht ins Konzept. Dagegen durfte bei "Maybrit Illner" der Verantwortliche für den Tod von über 1.400 Zivilisten per Live-Schaltung dem deutschen Publikum seine "Wahrheit" von der russischen Invasion auftischen.

Und das ist das Verdienst von James Hunt, Chef von aspect consulting und ein neuerliches schönes Beispiel für die PR-Gläubigkeit der deutschen Journaille. Dieser Spindoktor sorgte dafür, dass Georgiens Präsident Michail Saakaschwili derzeit als medialer Gewinner des Kaukasuskrieges dasteht. Die New York Times kommentierte diesen Vorgang stolz: "Die Russen haben auf dem Boden gesiegt, aber nicht in den Medien."

Kunststück, lässt sich doch Washington seinen Brüsseler Spindoktor jährlich eine Million Euro kosten, munkelt man in der Branche. Hunt sagt dazu nur, "Tiflis?" zahle "deutlich mehr Geld, als die Europäische Kommission". Da wundert es nicht, wenn die Aspect consulting in einem der feinen Jugendstilhäuser in der Rue Sablon in Brüssel residiert.

Dieser Profi für Krisenkommunikation, dieser James Hunt, hat schon im Konflikt um die Ölplattform Brent Spar für Shell die Kartoffeln aus dem Feuer geholt. Er hat das Image von McDonald's während der Krise um BSE-verseuchtes Rindfleisch poliert und er versucht die Bedenken von Gegnern gentechnisch manipulierten Saatguts wegzuargumentieren.


Ganz der Medienprofi hat J. Hunt, wie er Cerstin Gammelin, einer Redakteurin von der ZEIT erklärte, schon vor den Kämpfen an der PR-Strategie für den Fall eines Konflikts gebastelt und als am 7. August die Bomben fielen, lies der Stratege der Wortschlacht die Maschinerie anlaufen. "Am 8. August haben wir die erste Pressemitteilung verschickt", erklärte er stolz der ZEIT.

Am selben Tag, als Georgiens Armee ihre Großoffensive startete, nutzte auch der georgische Premier Lao Gurgenidze ein Investorentreffen, um Georgiens Version zu verbreiten: Das kleine Land sei vom großen Nachbarn brutal überfallen worden. US-Sender, die natürlich alle vor Ort waren, übertrugen dies am ersten Kriegstag beinahe Wort für Wort. Präsident Michail Saakaschwili gab CNN und BBC vor den Fahnen der EU und Georgiens Interviews in bestem Englisch.

Während sich die westliche, ach so freie Presse in der permanenten Wiederholung der Operation Mockingbird, durch die bunte Arena des Infotainments führen lässt, glänzte die ARD mit dem Zauberkunststück, die Sätze des russischen Ministerpräsidenten gleich ganz verschwinden zu lassen.

Hier einige Originalzitate von Putin, aber lesen und vergleichen Sie selbst:


Putin : „… Der französische Aussenminister war in Nordossetien und hat sich mit Flüchtlingen getroffen. Die Augenzeugen berichten, dass die georgischen Streitkräfte mit Panzern Frauen und Kinder überfahren haben, die Leute in die Häuser getrieben und lebendig verbrannt haben. Georgische Soldaten haben, als sie nach Zchinwali kamen, - so im vorbeigehen – Granaten in die Keller und Bunker geworfen, wo Frauen und Kinder sich versteckt hatten. Wie kann man so etwas anders nennen, als Genozid? . “

„… Wenn Sie erlauben, dann sage ich, was ich darüber denke. Es gab die Sowjetunion und den Warschauerpakt. Und es gab die sowjetischen Streitkräfte in der DDR, und man muss es ehrlich zugestehen, das waren Okkupationskräfte, die nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in Ostdeutschland geblieben sind unter dem Deckmantel der Koalitionsstreitkräfte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion, des Warschauerpaktes sind diese Okkupationskräfte weg. Die Gefahr von Seiten der Sowjetunion ist weg. Die NATO aber, die amerikanischen Streitkräfte, in Europa sind immer noch da. Wofür?
Um Ordnung und Disziplin in den eignen Reihen zu halten, um alle Koalitionspartner innerhalb eines Blocks zu halten, braucht man eine außenstehende Gefahr. Und Iran ist da nicht ganz passend für diese Rolle. Man will daher einen Gegner wiederauferstehen lassen und dieser soll Rußland sein. In Europa jedoch fürchtet uns niemand mehr…“

„… Wurde die Resolution 1244 angenommen? Ja! Dort wurde unterstrichen geschrieben: territoriale Souverenität Serbiens! Die Resolution haben die in den Müll weggeworfen. Alles vergessen. Sie wollten die Resolution zuerst umdeuten, anders interpretieren, aber es ging nicht. Alles vergessen. Warum? Das Weißen Haus ordnete an, und alle führen aus! Wenn die europäischen Länder auch weiterhin eine solche Politik führen, dann werden wir über europäische Angelegenheiten in Zukunft mit Washington reden müssen ...“



Wurde die georgische Armee etwa von den USA für den Überfall mit 175 Kampfpanzer, 126 Schützenpanzerwagen, 100 Geschütze der Feldartillerie, 99 Granatwerfer, 200 tragbare Fla-Raketenkomplexe, vier Kampfjets, zwölf Hubschrauber, zwei Kriegsschiffe und sechs Kampfboote aufgerüstet? Wurden die georgischen Soldaten dafür in den vergangenen Jahren an der Seite von Nato-Staaten auch in Deutschland trainiert?

Es ist die FAZ und kein friedensbewegtes, gutmenschelndes linkes Szeneblatt, die schreibt: „ Der Verdacht, diese Politik habe stets auch das Ziel gehabt, die georgische Armee in die Lage zu versetzen, die Konflikte um Südossetien und Abchasien auch gewaltsam zu lösen sei nicht aus der Luft gegriffen.“

Das der amerikanische Präsidentschaftskandidat McCain, Georgiens Präsidenten Michail Saakaschwili seine massive Unterstützung angedeihen lässt, verwundert dagegen kaum, hat doch sein außenpolitischer Berater Randy Scheunemann als Lobbyist in Washington für Georgien gearbeitet. Seine Firma kassierte seit 2004 von dem Land mehr als 800.000 Dollar für Lobbying.

James Hunt, der Spindoktor, der Dompteur der Mockingbirds, behauptet dagegen, er vermittle "die Wahrheit". Und die heißt ihm zufolge, das kleine, friedliche Georgien mit seiner jungen Demokratie sei vom großen russischen Bären attackiert worden. Moskau habe die Rechte des souveränen Staats verletzt. Hunt arbeitet dafür, dass die Welt mit dem vermeintlich Schwachen mitfühlt, genauso wie mit Shell, McDonald's und den Produzenten von gentechnisch manipuliertem Saatgut.

Und die Nato lässt er im Namen Georgiens wissen: Wir sind zwar nicht Mitglied, aber wir gehören zu euch. Der Krieg gegen uns ist auch ein Angriff auf euch.

Die Freiheit Berlins wurde einst in Vietnam verteidigt und die Freiheit der BRD wird neuerdings am Hindukusch verteidigt und jetzt verteidigt unsere Demokratie Georgiens Präsident Michail Saakaschwili, wir sollten ihm Freiheitsglocken schicken, denn der Russe steht wieder mal ante portas.