Schlechte Zeiten für Verfassungspatrioten
"Die Union fordert unter anderem die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrates und mehr Möglichkeiten für den Einsatz der Bundeswehr im Inland"; lese ich gerade auf den von der Comfactory verlinkten "ntv News". Für den außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Eckart von Klaeden (CDU), wird damit natürlich nur die "institutionelle Konsequenz aus dem mittlerweile unstrittigen, erweiterten Sicherheitsbegriff" gezogen. Sicherheitspolitik bedeute heute nicht mehr nur Außen- und Verteidigungspolitik, sondern auch Entwicklungshilfe, Umwelt- oder Rechtspolitik.
Die Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, die damals ein Stück Nachkriegsgeschichte schrieben, hätten eine derartige unkommentierte Berichterstattung bestimmt nicht für möglich gehalten, denn "Über dem Parlamentarischen Rat, der damals in Herrenchiemsee tagte und viele vereinigte, darunter die besten, die in den drei Westzonen nach 12 Jahren Nationalsozialismus noch aufzutreiben waren, lag der Anspruch, völkerrechtlich, ethisch, moralisch, historisch, staatsrechtlich und menschlich die Basis einer durch keine Barbarei zerstörbaren Welt zu entwerfen. Der Anspruch wurde in breitester Front ernst genommen und schien zumindest angesichts der schmalen, von Hunger gezeichneten Gesichter der Parlamentarier glaubwürdig."
Eine Remilitarisierung schien mit diesem Grundgesetz von vornherein ausgeschlossen, es war in seiner ursprünglichen Fassung total freiheitlich und total antimilitärisch. Was Recht ist, sollte in Deutschland nie mehr durch die Interessen nationaler Eliten bestimmt werden und Friedenspolitik, sollte im Sinne von "Nicht-Rüsten" jeder parteipolitischen Willkür für immer entzogen sein.
© Yevgeny Khaldei
Dieses Foto von Yevgeny Khaldei, dem russischen Robert Capa, (der 1948 zu den Gründern der Fotoagentur Magnum zählte) wurde zu einer Ikone des 20. Jahrhunderts. Es wurde zu dem Bild, das im kollektiven Gedächtnis von Deutschen und Russen gleichermaßen die Niederlage Nazi-Deutschlands und den Sieg der Roten Armee repräsentiert. Eine Remilitarisierung schien nach dieser Niederlage des deutschen Größenwahns unvorstellbar und das neue Grundgesetz sollte uns davor schützen.
Im Martin-Gropius-Bau, Berlin ist vom 9. Mai bis 28. Juli 2008 eine Retrospektive von Yevgeny Khaldei zu sehen.
Die verwickelte Geschichte des Fotos der Rotgardisten mit der Fahne auf dem Reichstag hat Ausstellungskurator Ernst Volland in einem kleinen Buch unter dem Titel: "Das Banner des Sieges" rekonstruiert. Erschienen ist es im Berlin Story Verlag; 80 Seiten; 60 Abbildungen, 9,80 Euro.


