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Krisenphobisten




Unsere Volksvertreter leiden eindeutig an der Schweine-Phobie. Ihre phobische Störung zeigt sich in der krankhaften, das heißt unbegründeten und anhaltenden Angst vor allen Situationen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Personen die den sozialen Frieden, die Freiheit oder ihren Job im Aufsichtsrat bedrohen und deshalb müssen sie von Zeit zu Zeit immer mal wieder eine neue Sau durchs Dorf jagen, um einen Legitimationsnachweis für ihr Wirken um das Volkswohl ablegen zu können.

Im Allgemeinen sprechen Fachleute hier von dem phobischen Stimulus, der besonders immer dann auftritt, wenn die Rüstungs- bzw. die Pharmalobby schmollt. Deshalb wird auch die politische Elite der Republik beherrscht von neurotischen Belastungsstörungen, wobei die Erscheinungsform der Agoraphobie, die Angst vor dem Marktplatz, also das Zusammentreffen von Wahlvolk und Erwählten, erst neuerdings wieder zu Panikstörungen unter der politischen Elite führt.

Dagegen wird die Thanatophobie vorwiegend medial übertragen und weist nach wie vor den größten Verbreitungsgrad auf. Wir verstehen darunter die Angst vor dem Tod. Der ewige Dualismus zwischen Thanatos und Eros, zwischen der unsterblichen Seele und der irdischen Freude. Dabei lebt keine Sau ewig, und besonders im November, rund um Allerseelen, sterben mehr Menschen als im Wonnemonat Mai, wenn wieder Eros regiert, rein statistisch gesehen.

Mit oder ohne Schweinegrippe ereilt einen durchschnittlichen Deutschen der Tod erst nach rund 79 Jahren, deshalb soll ja auch das Renteneintrittsalter weiter heraufgesetzt werden.

Die spezifischen Phobien können natürlich noch weiter in Subtypen unterteilt werden z. B. in den Tier-Typ: Schweine- und Vogelphobie, in den Naturgewalten-Typ: Kofferbomber, und in den situativen Typ: Die Bank ist pleite und andere nicht näher bezeichnete Typen, wie eine Einladung zum Tee bei Guido.

Wobei die WHO beispielsweise die Dysmorphophobie nicht mehr zu den phobischen Störungen, sondern zu den hypochondrischen Störungen zählt. Der Adonis-Komplex unseres olivgrünen Gegelten von und zu und Guidos Föhnwelle fallen deshalb auch unter die Kategorie der übermäßigen Beschäftigung mit der eigenen körperlichen Erscheinung, also der Dysmorphophobie. Mit Kognitiven Therapieverfahren sind gute Heilungserfolge zu erzielen, versprechen die Ärzte, sie gehen allerdings davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren. Erschwert wird deshalb dieses Kognitive Therapieverfahren dadurch, dass unsere transatlantischen Young Leader das Denken outgecourst haben.

Die Krisenphobie, die uns dagegen im Moment täglich als Schweinegrippe vom Infotainment frei Haus geliefert wird, die setzt dagegen auf eine Strategie der Spannung, sie dient der Terrorisierung der Bevölkerung und damit der Stabilisierung der Auflagen und Einschaltquoten und natürlich den Bilanzen der Pharmaindustrie. Impfstoffe im Wert von über 4 Milliarden US-Dollar warten darauf endlich verspritzt zu werden.

Die Verunsicherung im politischen Mainstream steigt, die Angst der Medienmacher vor der Rache der Pharmaindustrie hält an, die Terrorisierung der Bevölkerung will diesmal einfach nicht richtig gelingen. Die Panikattacken der Bürger halten sich nach wie vor in engen Grenzen. Dabei sind in Deutschland bislang schon neun Todesfälle im Zusammenhang mit der Schweinegrippe bekannt geworden. Das war der Stand von Anfang November.

Nur mal so zum Vergleich, im Jahr 2006 sind nach der Zählung des Statistischen Bundesamtes (destatis) 6.455 Menschen bei häuslichen Unfällen ums Leben gekommen und im Straßenverkehr waren es 5.174 Menschen und statt diese Krisenherde für das Leben zu bekämpfen, da verabschieden unsere Volksvertreter noch Abwrackprämien und die Tigerenten-Fraktion will jetzt sogar noch die häusliche Mortalitätsrate mit einer Herdprämie steigern.

Auf der Heise-Website aus dem Herbst 2007 zum Thema Vogelgrippe erfahren wir, dass der "Spanischen Grippe", ausgelöst durch einen modifizierten Vogel-Grippeerreger, 1918/1919, mindestens 20 bis 40 Millionen Menschen zum Opfer fielen; die "Asiatische Grippe" forderte 1957 rund 1 Million Tote, an der "Hongkong-Grippe" verstarben 1968 ebenfalls 1 Million Menschen, darunter rund 130.000 Tote in der BRD.

„Schon mit der bloßen Entsorgung der Grippeopfer wäre man zeitweise überfordert gewesen: So mussten bei der "Hongkong-Pandemie" 1968 in Westberlin rund 1.500 Tote wochenlang in Gewächshäusern, Kühlhäusern und einem stillgelegten U-Bahn-Tunnel zwischen gelagert werden, weil die Beerdigungskapazitäten in dem kalten Winter einfach nicht ausreichten," beschreibt Heise das damalige Szenario.

Und heute? Heute sind wir trotz aller Schweinephobie von derartigen Zuständen weit entfernt. Sogar die durchschnittlichen und üblichen 10.000 Grippe-Toten, die sonst in jedem Herbst in der BRD für Schlagzeilen sorgen, die sind diesmal diskret unter den Tisch gefallen. Umso schöner, wenn nicht schräge "Verschwörungstheoretiker", sondern sturzbiedere Zeitungen wie der Berliner Tagesspiegel herausfinden, dass diese Geschichte zum Himmel stinkt, freut sich Mathias Bröckers in seinem blog auf 2001.

„Die Angst vor der Schweinegrippe geht um – und beschert Pharmakonzernen Milliardenprofite. Viele Experten macht das skeptisch: Die Pandemiegefahr halten sie für eine Inszenierung der Industrie – und das Virus sogar für nützlich,“ schreibt der Tagesspiegel am 1.11. 2009. Der Wahnsinn nimmt zu, zum Glück bleibt wenigstens die Vernunft weiter schlank, deshalb glaube ich ja auch, trotz aller Krisenphobie, noch immer fest an ein Leben vor dem Tod.