Teddy Wahn ist Identitätsmanagement
Die Ökonomie der Aufmerksamkeit ist tot, belehrt mich eine Anzeige des Trend Büros auf spiegelonline. Heute reicht es nämlich einfach nicht mehr, konsumpositioniert, alkoholisiert, vorteilsorientiert, vorlaut und mediengeil zu sein. Das kann heute jeder Teilnehmer an einer der beliebten Demütigungsshows, jeder trällernde Dieter Bohlen Aspirant, jeder Dschungel-Camp- Geschädigte und jeder Container Asylant, ja selbst jeder Promi-Friseur schafft es heute ondulierend in die Schlagzeilen.
Aber was zukünftig zählt, das ist einzig und allein Anerkennung! Und anders als Aufmerksamkeit, besteht Anerkennung aus dynamischen Austauschprozessen, werde ich aufgeklärt. Darauf muss man als Zeitungsleser erst mal kommen! Wer, frage ich Sie daher, lieber Leser, kann uns mehr Anerkennung geben, mehr Bewunderung entgegenbringen und mehr Wärme im Austausch gegen unsere Liebe in unser Herz gießen, als unser geliebtes Kuscheltier?

Foto: Mangler
Denn der Applaus unserer Wahlverwandtschaften, also unserer Plüschtiere, sichert unseren Status und reguliert unseren Testosteronhaushalt. In ganz besonderem Maße gilt das natürlich für unseren, innigst beschmusten, Teddy.
Denn wir sind alle soziale Wesen, auch unser Teddy! Aber eben nicht jeder züchtet seine eigenen Tomaten auf dem Balkon, um einen sinnvollen Beitrag gegen den Welthunger zu leisten, nicht jeder fühlt sich berufen im Greenpeace Schlauchboot auf dem Dorfteich für das Überleben der Karpfen zu kämpfen und nicht jeder pflanzt einen Apfelbaum um den Urwald am Amazonas zu retten! Und trotzdem wollen wir alle gemocht, respektiert und sogar noch geschätzt werden. In dieser Situation, in der die "Ein-Weg-Kommunikation" ständig weiter an Relevanz verliert, da gewinnt das Zwiegespräch mit unserer "communitie", unserem Teddy mit seinen kuscheligen Freunden, wieder an Bedeutung.
Früher definierten wir uns über die Arbeit, die Familie und das Bankkonto. Das Sein bestimmte noch das Bewusstsein. Die Identität war statisch, sie war Klassen und Milieu geprägt. Heute fehlt uns diese Tradition, besonders die, des im deutschen Volkskörper tief verwurzelten, arbeitsamen, obrigkeitsgläubigen und selbstverständlich staatstragenden Untertanen. Wir definieren Identität heute dynamisch und damit wird sie zu einer echten Management-Aufgabe, verkündet das Trend-Büro.
Die Frage "Wer bin ich?" wird nicht länger zu einer Frage der Kaufkraft, sondern zu einer der Interaktion mit unserem sozialen Umfeld und damit zu einer mit den geliebten Wesen, die uns von Kindesbeinen an Seelentröster waren, die uns sicher durch die Pubertät begleitet haben und die noch immer treu an unserer Seite verweilen. Ganz im Gegensatz zu unserem Arbeitsplatz, der dem Shareholder Value zum Opfer fiel, unserer Familie, die Tochter in der Punk WG, der Sohn auf Ballermann und die Frau auf dem Selbstfindungstrip mit einem Latino-Lover in der Karibik, unserem Bankdepot, das von unserem Anlageberater feierlich zu Grabe getragen wurde und unseren wechselnden Lebensabschnittspartnerinnen, die es weder mit Mamas Kochkunst noch mit ihrer Ordnungsliebe und Sauberkeit aufnehmen konnten.
COMfactory -News begrüßt es daher außerordentlich, dass Ackermann TV mit der Hymne auf den Teddy, auf die einzig verbliebene, krisenresistente Konstante in unserem von Identitätsproblemen gerüttelten und geschüttelten Dasein, einen Meilenstein der "Guten-Unterhaltung" ( mit Niveau! ) in den Sumpf, der von Sex und Crime überbordenden Bilderflut, verankert hat.
Diesmal rufe ich Ihnen aus freudigem Herzen zu: "Weiter so, Herr Ackermann!" Lassen sie weitere Steine auf dem "Stargate to Teddy-Heaven" folgen, damit auch wir wieder die wahren Werte in unserem Leben zu schätzen und zu würdigen lernen und endlich unser Identitätsmanagement selber in den Griff bekommen und es nicht mehr mühsam und eigenhändig aus der bunten Anzeigenflut zusammenschnippeln müssen.


